Das wollen Studierende über Journalismus wissen

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Eine gelungene Abwechslung sowohl für die Schüler als auch für die Auszubildenden – der Redaktionsbesuch bei den Viertklässlern der Grundschule in Kronsburg. Im Rahmen des MiSch-Projekts die Kieler Nachrichten kommen in die Schulklassen. Zuerst dürfen die Kinder im Deutschunterricht vier Wochen lang Zeitung lesen, dann beantwortet ein Reporter Fragen aus der Medienwelt.

Ein Junge steckt vorsichtig seinen Kopf in die Tür des Musikzimmers. „Darf ich rein kommen?“ Sicher. „Sind Sie von RTL?“ Nein, bin ich nicht. Lehrerin Gerlinde Wohlrab fordert die Kinder auf: „Zieht Jacke, Hausschuhe, Maske aus und haltet Abstand.“ Dann können wir anfangen. Rund 30 Studierende brachten einige Fragen mit. Das waren schließlich die Hausaufgaben.

Aufbau von Artikeln, W-Fragen: Grundschüler in Kronsburg kennen sich gut aus

Und man merkt sofort, dass sie sich in den letzten Wochen ausgiebig mit der Zeitung auseinandergesetzt haben. Sie wissen bereits, wie Artikel aufgebaut sind und dass die W-Fragen beantwortet werden müssen. Nicht unwichtig, denn sie sollen später im Unterricht einen Bericht schreiben.

Jetzt geht es darum, mehr darüber zu erfahren, was sich hinter dem Beruf des Journalisten verbirgt. „Wussten Sie schon immer, dass Sie Reporter werden wollen?“ „Was muss ein guter Reporter können?“ „Was war das gruseligste, worüber Sie bisher berichtet haben?“ „Möchtest du ins Ausland gehen, um von dort zu berichten?“ „Waren Sie schon einmal in einem Krisengebiet oder einem Stadion?“ „Wie viel verdienst du eigentlich?“

Ich spreche über die Arbeit in einer Redaktion, wie Nachrichten entstehen und was in einer Redaktionskonferenz besprochen wird, um die Seiten der Printausgabe zu gestalten. Denn die vielen Artikel werden nicht nur von einem Reporter alleine geschrieben. Ich gebe Einblicke in die Welt des Online-Journalismus und zeige, welche Arbeitsmittel ich brauche. Stift und Papier, Handy und Tablet – das reicht, um auch unterwegs in Echtzeit zu berichten. Und ich stelle den abwechslungsreichen Alltag in meinem Job vor. Ich genieße es wirklich, die ganze Zeit neue Leute und Orte kennenzulernen.

Die Arbeitszeiten im Journalismus bringen die Studierenden zum Erliegen

Wenn ich über meine Arbeitszeiten spreche, bemerke ich das seltsame Stirnrunzeln und die großen Augen. Abends und am Wochenende arbeiten? Klar, denn nicht selten passiert außerhalb der regulären Schichten etwas Meldenswertes. Aber es herrscht allgemeine Einigkeit darüber, dass die Zeitung am nächsten Tag nach der Arbeit über ein abendliches Fußballspiel oder einen Unfall lesen können muss.

„Kommen wir morgen in die Zeitung?“ Das kann ich nicht versprechen, es liegt schließlich nicht in meiner Hand und hängt davon ab, was sonst noch in Kiel passiert. Da die Nachrichten aber nicht nur auf Papier, sondern auch im Internet zu finden sind, wird so oder so ein Artikel veröffentlicht.

Wenn so ziemlich alle Fragen beantwortet sind, gibt es Applaus und eine Dankeskarte zum Abschied. Alle Igel und Marienkäfer, die Klasse Tiere, haben es unterschrieben. Als ich meine Sachen packe, drängt sich eine Gruppe Studenten um mich, ich soll meinen Namen auf einen eingegipsten Arm schreiben. So ein Redakteursbesuch in der Grundschule ist wirklich eine Abwechslung.