Der Wildpark Pforzheim leitet erste Schutzmaßnahmen gegen die Vogelgrippe ein

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Kurioser Tilt: Die Gänse in diesem Gehege dürfen noch draußen bleiben. Im Wildpark wollen sie ihnen möglichst lange eine Quarantäne ersparen, damit sie Zugang zu dem für sie so wichtigen Teich haben.

Foto: René Ronge

Die beiden Hühner haben es sich am Fenster gemütlich gemacht. Ab und zu blinzeln sie durch die Glasscheiben in die Sonne oder mustern die vorbeilaufenden Besucher des Wildparks Pforzheim. Nur: Sie dürfen nicht nach draußen.

Hinter Glas: Die beiden Hühner sind die ersten beiden Vögel im Wildgehege, die drinnen bleiben müssen.

Foto: René Ronge

Sie sind die ersten Tiere, die im Wildpark Pforzheim unter Quarantäne gestellt werden. Hintergrund ist die hoch ansteckende Vogelgrippe, die sich derzeit in Baden-Württemberg ausbreitet. Zuletzt gab es nachgewiesene Fälle in Karlsruhe – wo der Zoo daraufhin schließen musste.

In Pforzheim ist es nicht so weit. Die Tierseuche hinterlässt nicht nur bei den Hühnern erste Spuren: Die große begehbare Waldrapp-Voliere, die vor zweieinhalb Jahren als neue Attraktion eingeweiht wurde, ist derzeit geschlossen. Besucher haben keinen Zutritt, die 14 Tiere bleiben unter sich.

Kein Zutritt: Die begehbare große Waldrapp-Voliere ist derzeit geschlossen. Es ist eine Schutzmaßnahme, um die Ausbreitung der Vogelgrippe zu verhindern.

Foto: René Ronge

Strenge Hygienemaßnahmen: Die Zoomitarbeiter dürfen das Vogelgehege erst betreten, nachdem sie ihre Schuhe desinfiziert haben. Damit soll die Übertragung des Vogelgrippevirus verhindert werden.

Foto: René Ronge

Und auch für die Tierpfleger haben sich erste Dinge im Alltag geändert. Vor dem Betreten eines Geflügelstalls müssen sie ihre Schuhe desinfizieren. Die Maßnahme soll verhindern, dass infizierter Vogelkot über Schuhe von einem Gehege zum anderen gelangt.

Uhu, Waldkauz, Schleiereule, Waldrapp, Storch, Huhn, Gans und Ente: All diese Vögel sind im Wildpark zu finden. Derzeit übersteige der Bestand 40 oder 50 Tiere nicht, erklärt Wildpark-Ranger Carsten Schwarz. Das hat auch mit der Vogelgrippe zu tun. „Der Vogelbestand ist im Winter ohnehin reduziert. Und wegen der Vogelgrippe haben wir die Zucht eingestellt.“ Auch gibt es derzeit keine Austauschprogramme, die Tiere aus anderen Zoos nach Pforzheim holen.

Pforzheim ist seit mindestens 25 Jahren von der Vogelgrippe verschont geblieben

Schwarz hofft nicht, dass es so kommt wie in Karlsruhe, wo kürzlich im Zoo Vögel an der Vogelgrippe gestorben sind. In Pforzheim ist das Risiko deutlich geringer. „Erstens haben wir weniger Vögel. Zweitens gibt es weniger Flugverkehr.“ Der Wildpark liegt am Waldrand, wo es deutlich weniger Reiher und Krähen gibt als in Karlsruhe.

Schwarz: „Das ist ein Vorteil für uns. Ich gehe davon aus, dass wir glimpflich davonkommen.“ Tatsächlich ist die Vogelgrippe in Pforzheim seit mindestens 25 Jahren nicht mehr aufgetreten, wie die Stadt Pforzheim auf Anfrage erklärte.

Glücklich im und am Wasser: Die Enten in diesem Gehege dürfen draußen bleiben. Im Zoo will man ihnen die Quarantäne so lange wie möglich ersparen, damit sie Zugang zu dem für sie so wichtigen Teich haben.

Foto: René Ronge

Und wenn doch was passiert? Im nächsten Schritt müssten wohl alle Vögel untergebracht werden. Für die Enten und Gänse wäre es bitterer als für die Hühner. „Sie brauchen den Teich zur Pflege ihrer Federn“, erklärt der Wildparkleiter. Vor fünf Jahren gab es eine Situation, in der auch die Wasservögel dauerhaft im Stall gehalten werden mussten. Dort legten die Mitarbeiter für sie kleine Pools an. „Das ersetzt aber keinen See“, erklärt Schwarz.

Wir sind bereit, im Notfall sofort den nächsten Schritt zu gehen.

David Schmitt, Mitarbeiter des Wildparks

Als die Vögel nach ein paar Monaten wieder nach draußen durften, konnte man ihre Freude wirklich spüren. Eine mögliche Quarantäne solle den Enten und Gänsen daher möglichst lange erspart bleiben, erklärt Wildpark-Mitarbeiter David Schmitt.

„Aber wir nehmen es ernst und sind bereit, bei Bedarf sofort den nächsten Schritt zu gehen“, betont er. Für die Mitarbeiter hieße das: Schuhüberzieher, Mund-Nasen-Schutz und Schutzanzüge tragen sowie alle Oberflächen täglich reinigen und desinfizieren.

Die aktuellen Auflagen gelten übrigens nicht nur für den Wildpark. Alle Geflügelhalter, egal ob Erwerbs- oder Hobbyhalter, müssen die sogenannten Biosicherheitsmaßnahmen einhalten, damit sich ihr Hausgeflügel nicht anstecken kann, erklärt Stefan Baust, Sprecher der Stadt Pforzheim auf Anfrage dieser Redaktion.

Konkret geht es um folgende Pflichten: Schuhe müssen beim Betreten eines Stalls gewechselt oder desinfiziert werden, Tiere dürfen nur im Stall und nicht im Auslauf gefüttert werden und müssen mit Leitungswasser getränkt werden. Vor und nach der Pflege der Tiere sind die Hände gründlich zu waschen, Futter und Einstreu sind vor Wildvögeln, Betriebsfremden und Haustieren wie Hunden und Katzen vom Geflügel fernzuhalten.

Die Stadt hat Anfang November 2021 alle registrierten Geflügelhalter informiert. Für den Fall, dass bei einem Wildvogel in Pforzheim ein bestätigter Fall der Vogelgrippe festgestellt werden sollte, könnte die Stadt eine Allgemeinverfügung erlassen, mit der alle Geflügelhalter, egal ob gewerbsmäßig u Hobbyhalter, werden gebeten, ihr Geflügel unterzubringen.