Die Paleo-Diät auf dem Prüfstand

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Wer „Paleo“ isst, ernährt sich wie unsere Vorfahren in der Steinzeit. Ist die Ernährung von Fred Flintstone so fit, dass wir – zumindest theoretisch – heute ein Mammut töten könnten?

Köln/Bonn – Nicht umsonst wird die Paleo-Diät als Steinzeit-Diät bezeichnet: Aufgetischt wird, was die Menschen in der Altsteinzeit, also in der Altsteinzeit, sammeln und jagen konnten.

Auf dem Speiseplan stehen daher vor allem Gemüse und Obst, am liebsten Beeren, sowie Samen und Nüsse. Es gibt auch Eier, Fisch und Fleisch. Auf Getreide, Milch, Milchprodukte und Zucker wird verzichtet.

Paleo ist also protein- und fettreich, aber kohlenhydratarm. Was das für unseren Körper und seine Leistungsfähigkeit bedeutet:

Gentechnik wie in der Steinzeit?

„Befürworter der Paleo-Diät sind der Meinung, dass sich die Ernährung dann heute positiv auf unsere Gesundheit auswirkt“, sagt Astrid Donalies, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Das Ernährungskonzept folgt der Annahme, dass der Mensch genetisch an die Nahrung der Altsteinzeit angepasst ist und sich die Nahrungsauswahl daran orientieren sollte. Moderne „Zivilisationsnahrung“ ist daher für den Menschen ungesund.

Ernährungswissenschaftler Donalies sieht darin einen wahren Kern: Die heute weit verbreitete (Fehl-)Ernährung sei mitverantwortlich für Krankheiten wie Karies, Übergewicht, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Eine geringe Energieaufnahme hilft beim Abnehmen

Obwohl Fred Flintstone nicht gerade für seine kleine Taille bekannt ist, „tatsächlich kann die Paleo-Diät beim Abnehmen helfen“, sagt Donalies. Das liegt wohl vor allem an der geringen Energieaufnahme.

„Das Positive ist, dass bei der Ernährung viel Wert auf wenig verarbeitete Lebensmittel gelegt wird“, sagt Donalies. Insgesamt wird der Körper gut mit Eiweiß und wertvollen Fettsäuren versorgt. Bei Kalzium, Jod und Vitamin D ist dies jedoch nicht immer der Fall: Sie müssen möglicherweise ergänzt werden.

Viele Gerichte sind ohnehin „Paleo“.

Konkret kann ein moderner Paleo-Tag so aussehen: Zum Frühstück gibt es Müsli aus Kernen, Nüssen und Samen, dazu Beeren und Pflanzenmilch. Zum Beispiel macht Spargel mit Sauce Hollandaise und Süßkartoffeln mittags satt. Abends wird hausgemachte Hühnersuppe mit Hühnchen und Gemüse serviert.

Aber: Wer sich mit dem Ernährungskonzept beschäftigt, wird schnell feststellen, dass viele Rezepte ohnehin „Paleo“ sind oder sich leicht abwandeln lassen. Ein Steak oder Fisch mit Gemüse passen zum Beispiel problemlos in die Ernährung.

Der Fettstoffwechsel wird aktiviert

Aber: leisten wir dank steinzeitlicher Ernährung bessere Leistungen beim Training? „Ob der Körper beim Sport beispielsweise bessere Leistungen erbringt, wenn man sich nach dem Paleo-Prinzip ernährt, ist noch nicht bekannt“, sagt Prof. Christine Joisten, Sport- und Ernährungswissenschaftlerin.

Wer sich nach der Paleo-Diät ernährt, kocht viel frisch. Fertiggerichte sind tabu.

© Christin Klose/dpa-tmn

Aber es gibt einen Befund: Eine ketogene Ernährung wie die Paleo-Diät führte dazu, dass Fußballer Fettmasse verloren – ohne nennenswerte Muskelmasse und Kraft zu verlieren. Das sei positiv für Sportler, sagt Joisten, der am Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaften der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) arbeitet.

Ketogene Diäten lösen im Körper den Zustand der Ketose aus, auch bekannt als „Fettstoffwechsel“. Das bedeutet: Führt man dem Körper mehr hochwertige Fette und gleichzeitig weniger Kohlenhydrate zu, beginnt er Fettmasse zu verbrennen – und nicht Kohlenhydrate. Dies gilt insbesondere, wenn es um Übung geht.

Wer also abnehmen, aber möglichst wenig Muskelmasse verlieren möchte, kann sich diesen Effekt zunutze machen. Der Übergang zu „Paleo“ lässt sich am besten mit einem auf eine ketogene Ernährung abgestimmten Bewegungsprogramm ergänzen.

Ernährung individuell an sportliche Ziele anpassen

Sportmediziner Joisten bezweifelt jedoch, ob man langfristig an der Paleo-Diät festhalten sollte: „Kohlenhydrate sind auf Dauer essentiell, gerade für Sportler. Dein Körper braucht sie, um überhaupt an die Fettreserven zu gelangen.“

Gerade gemüselastige Gerichte sind sowieso „Paleo“ oder lassen sich leicht anpassen.

© Christin Klose/dpa-tmn

Auch Ernährungswissenschaftlerin Donalies von der DGE weist darauf hin, dass der relativ hohe Fleischkonsum der Paleo-Ernährung problematisch für Gesundheit und Umwelt ist.

Zu beachten ist laut dem Experten auch, dass das Risiko eines Nährstoffmangels steigt, wenn man seine Nahrungsauswahl einschränkt. Wer sich also gesund und abwechslungsreich an eine moderne Paleo-Ernährung halten möchte, sollte sich viel über die Ernährung informieren. dpa