Dinçer Güçyeter erhält den Peter-Huchel-Preis 2022

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Die Jury: „expressionistische Kraftsprache und subtile Ambivalenz“

Die Jury in ihrer Begründung: „Dinçer Güçyeters Gedichtsammlung ‚Mein Prinz, ich bin das Ghetto‘ beschäftigt sich mit expressionistischer Sprachgewalt und subtiler Ambivalenz, familiären, sozialen und kulturellen Verortungen sowie postpatriarchalen Möglichkeiten einer souveränen Existenz.“ Wo diese Gedichte zu stellen“, fragt ein Junge seine Eltern an den Anfang des Bandes und beantwortet diese Frage mehrdeutig und doch ästhetisch konsequent: Er schickt sie auf den Weg zu Lesern, die bereit sind, den Habitus von Gedichten und Dichterleben zu hinterfragen – manchmal in eine Geste des Protestes, manchmal in sehr intimer Stimmung, hier eröffnet ein Dichter von Welt eine ganz eigene und doch vertraute Welt zwischen dem Nettetaler Niederrheintal und Anatolien, zwischen Kindsein und Vaterwerden, zwischen Heinrich Heine und Dinçer Güçyeter, und untergräbt – oft auf humorvolle Weise – das herrschende postmigrantische Klischee: ‚Mein Prinz, nasse meine Zunge, flicke meine Augen / nimm mich mit in deine großen Städte (…)‘.“

Auszeichnung für herausragendes lyrisches Werk des vergangenen Jahres

Der Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik, gestiftet vom Land Baden-Württemberg und dem Südwestrundfunk, wird seit 1984 für ein herausragendes Gedicht des vergangenen Jahres vergeben. Der Preis erinnert an den Namensvetter Peter Huchel (*1903 in Groß-Lichterfelde bei Berlin), den bedeutenden Dichter und langjährigen Chefredakteur der Literaturzeitschrift „Sinn und Form“. Huchel starb am 30. April 1981 in Staufen im Breisgau. Die unabhängige Jury besteht aus sieben Autoren, Literaturkritikern und Wissenschaftlern.