Gesundheit: Die Rufe nach Lockerungen der Aussichten werden lauter

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Gesundheit: Die Rufe nach Lockerungen der Aussichten werden lauter

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland Der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Bundestag, Christian Dürr, sagte der „Bild“, sobald keine Überlastungsgefahr mehr für das Gesundheitssystem bestehe, müssten Beschränkungen zurückgenommen werden. „Deshalb sprechen wir bereits über konkrete Öffnungsperspektiven.“ Erste Entscheidungen dazu soll die nächste Ministerpräsidentenkonferenz treffen. Der Deutsche Hausärzteverband forderte die Bundesregierung auf, einen Öffnungsplan für den Ausstieg aus den Corona-Maßnahmen zu erarbeiten.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach warnte erst am Dienstag vor einer schnellen Aufhebung der Maßnahmen und bezeichnete die Diskussion um Lockerungen als unangemessen. „Wir haben die Lage noch nicht wirklich im Griff“, sagte der SPD-Politiker. Mitte dieses Monats wird ein Höhepunkt der Omicron-Welle erwartet.

Am Mittwochmorgen meldete das Robert-Koch-Institut mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von 1450,8 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner einen weiteren Höchststand. Innerhalb eines Tages wurden 234.250 zusätzliche Infektionen registriert – wobei eine Reihe von Infektionen voraussichtlich unentdeckt bleiben.

Allgemeinmediziner nennen Konzept

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): „Die Politik muss schon jetzt ein Konzept entwickeln, wie die Öffnungsschritte aussehen sollen.“ Es gilt unbedingt zu vermeiden, dass hektisch inkonsequente und nicht durchdachte Lockerungsmaßnahmen beschlossen werden.

Der Grünen-Politiker Dieter Janecek forderte, Minderjährige bei Lockerungen zuerst zu berücksichtigen. „Kinder und Jugendliche brauchen endlich wieder völlige Normalität, sie sollen als erste von Öffnungen profitieren“, sagte er der „Bild“. Für den Jugendsport und das Vereinsleben sollen „bald alle Beschränkungen aufgehoben werden“. FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus will Kindern einen „breiten Zugang zu Bildungs-, Sport- und Kultureinrichtungen“ ermöglichen. „Dies sollte unabhängig vom Impfstatus geschehen und im Falle von Lockerungsmaßnahmen als erstes umgesetzt werden.“

Was passiert mit den Schulen?

Andererseits warnte die Gewerkschaft Bildung und Wissenschaft davor, bei möglichen Lockerungen die Folgen für die Schulen aus den Augen zu verlieren. „Schulen sind keine Inseln, auch hier werden Infektionen in die Einrichtungen getragen und verbreitet“, sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern, dem RND. „Schutzmaßnahmen in anderen gesellschaftlichen Bereichen zu lockern bedeutet daher, in Kauf zu nehmen, dass die Infektionszahlen an Schulen weiter steigen – und immer mehr Einrichtungen schließen müssen.“

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft geht derweil davon aus, dass die Kliniken mit der omicron-Welle gut zurechtkommen. „Ich rechne derzeit nicht mehr damit, dass das deutsche Gesundheitssystem in den kommenden Wochen überlastet wird“, sagte Vorstandschef Gerald Gass der „Bild“. Die aktuellen Corona-Maßnahmen sollen bis zum Höhepunkt der Omicron-Welle gelten, den die Bundesregierung in ein bis zwei Wochen erwartet. Danach könne sich die Politik „ohne Zweifel schrittweise Lockerungen für die kommenden Wochen vorstellen“.

Lauterbach setzt bei Söder auf Vernunft

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) geht im Streit um die Umsetzung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht weiterhin davon aus, dass Bayern auch die Impfpflicht für Pflege- und Krankenhauspersonal umsetzen wird. Es gibt keinen „Mechanismus“, Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dazu zu zwingen. „Ich hoffe, dass wir hier auch mit normalem Grund arbeiten können“, sagte Lauterbach am Dienstagabend im ZDF „heute-journal“. Söder hatte eine Aussetzung der Durchführung der Teilimpfung angekündigt.

Der Ministerpräsident des Saarlandes, Tobias Hans, sagte am Dienstagabend in den ARD-„Tagesthemen“, die Umsetzung des Gesetzes solle bundesweit ausgesetzt werden, weil „nationale Anträge“ nötig seien. „Nur dann ist dieses Gesetz ein gutes Gesetz, derzeit ist es ein schlechtes Gesetz.“

Linke fordert Regierungserklärung

Auch der Deutsche Berufsverband Pflegeberufe (DBfK) forderte ein bundesweites Vorgehen bei der Umsetzung. Um den „Einrichtungen, den Beschäftigten und vor allem den Pflegebedürftigen Sicherheit zu geben, brauchen wir bundesweit klare und fundierte Regelungen“, sagte DBfK-Präsidentin Christel Bienstein dem RND.

Wegen offener Fragen zum Umgang mit der Corona-Pandemie fordert die Linke für die kommende Woche eine Regierungserklärung. Nicht nur Bundeskanzler Olaf Scholz und Gesundheitsminister Lauterbach, sondern auch Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sollen Fragen im Parlament beantworten, forderte Parlamentarischer Staatssekretär Jan Korte in einem Brandbrief an das Kanzleramt.

© dpa-infocom, dpa:220209-99-38192/4

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