Medikamente: Maßnahmen gegen Engpässe bei Brustkrebsmedikamenten – Wissen

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Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat Maßnahmen gegen einen Versorgungsengpass bei dem wichtigen Wirkstoff gegen Brustkrebs eingeleitet. Foto: Jan-Peter Kasper/dpa-Zentralbild/dpa


Beim Wirkstoff Tamoxifen gibt es Lieferengpässe. Es wird unter anderem für Krebsmedikamente benötigt. Bis zu 130.000 Frauen und Männer könnten betroffen sein.

Bonn – Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat Maßnahmen gegen einen Versorgungsengpass beim wichtigen Wirkstoff gegen Brustkrebs, Tamoxifen, eingeleitet.

Der Beirat für Liefer- und Versorgungsengpässe hat einstimmig verschiedene Maßnahmen beschlossen, teilte das BfArM in Bonn mit.

Ziel ist es, den Import von Tamoxifen-haltigen Arzneimitteln zu erleichtern. Es wird geprüft, ob und welche Arzneimittelkontingente kurzfristig für den deutschen Markt bereitgestellt werden können, ohne dass es zu Lieferengpässen in anderen Ländern kommt. Auch in den kommenden Monaten sollten Ärzte keine Rezepte im Voraus ausstellen. Vielmehr sollten Patienten nur dann ein Folgerezept erhalten, wenn dies wirklich notwendig ist.

Je nach Verfügbarkeit könnten Ärzte auch kleinere Packungsgrößen oder Medikamente mit geringerer Stärke verschreiben. Der Beirat geht davon aus, dass die Versorgungslücke, die ohne Ausgleichsmaßnahmen spätestens Ende Februar zu erwarten wäre, vermieden werden kann, bis die neu produzierten Medikamente den Patienten zur Verfügung stehen.

Der „Spiegel“ hatte diese Woche über den drohenden Lieferengpass berichtet. Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) teilte gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften mit, dass seit Januar 2022 bei Tamoxifen-Präparaten mehrerer Firmen „fast ausschließlich ein Lieferengpass“ bestehe. Das sind derzeit etwa 85 Prozent des Marktes. Bis zu 130.000 Frauen und Männer in Deutschland könnten betroffen sein.



Die Hintergründe der Engpässe sind nicht vollständig geklärt. Eine mögliche Erklärung ist laut DGHO ein Anstieg der Verordnungen seit dem ersten Quartal 2020 im Zusammenhang mit den Lockdown-Maßnahmen aufgrund der Corona-Pandemie in Kombination mit einer geringen Flexibilität in den Herstellungsprozessen.

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