Pop, Lesungen und Klassik: Unterhaltung mit pro-ukrainischer Attitüde

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Pop, Lesungen und Klassik: Unterhaltung mit pro-ukrainischer Attitüde

„Es ist ein Krieg gegen die Wahrheit, den Wladimir Putin hier in der Ukraine führt“, sagte der Schriftsteller Martin Pollack gegenüber ORF.at. Dem russischen Präsidenten geht es darum, sein Weltbild auf der Grundlage von „Fake News“ durchzusetzen, und seine Aggression richtet sich gegen europäische demokratische Werte.

Für Freitagabend veranstaltet Pollack gemeinsam mit dem Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) und dem Wiener Volkstheater die solidarische Lesung „Der Krieg ist wie Giftmüll im Fluss“, bei der zahlreiche österreichische Autorinnen und Autoren Texte ukrainischer Autorinnen und Autoren lesen natürlich auch von Putin-kritischen Wortkünstlern aus Weißrussland und Russland, wie Pollack betont.

Einen undifferenzierten Boykott der russischen Kultur hält er für „dumm“. Das verdeckt die Arbeit von trotzigen Künstlern wie Maxim Osipov, der derzeit in Russland verfolgt wird und laut Pollack mit seinem Sohn nach Armenien geflohen ist. Für Sabine Gruber, die Gedichte von Yelena Fanailova lesen wird, lässt die Sprache der Kriegspropaganda „keine differenzierten Erzählungen zu, sie werden im Sinne einer Ideologie gebündelt“. Andererseits könne Literatur „widersprüchliche, komplexe Zusammenhänge durch multiperspektivische Perspektiven (durch das Einbringen unterschiedlicher Charaktere und Sprachebenen) erfahrbar machen“, wie sie auf Anfrage gegenüber ORF.at schreibt.

„Ich könnte diese Person sein“

Doron Rabinovici liest einen Text von Viktor Martinowitsch. Er sieht seine Teilnahme an der Veranstaltung als „ein Zeichen meiner Solidarität gegen die kriminelle Aggression des Putin-Regimes“. Barbi Markovic thematisiert die gemeinsame Erfahrung mit ukrainischen Autoren: „Wenn ich die Gedichte von Andrij Liubka lese, habe ich manchmal das Gefühl, dass dieser Satz auch auf mich zutrifft, dieser Mensch, der ich sein könnte.“

Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek wird einen Text zum Abend beisteuern, den die Schauspielerin Anna Rieser lesen wird. Am frühen Sonntagnachmittag gibt das Burgtheater in Wien ein Benefizkonzert, an dem auch Bundespräsident Alexander van der Bellen teilnehmen wird. Das musikalische Programm wird von Anja Plaschg alias Soap&Skin, Zoryana Kushpler begleitet von Irina Nikolajewa am Klavier und Willi Resetarits begleitet.

Screenshot Burgtheater

Im Wiener Burgtheater finden laufend Benefizveranstaltungen für die Ukraine statt

Das Burgtheater bezeichnet auf seiner Website den Angriffskrieg in der Ukraine als „Angriff auf Grundwerte wie Freiheit und Demokratie, eine Bedrohung der freien Entfaltung von Kunst und Kultur über Landesgrenzen hinweg und eine Vereitelung des Friedenswillens und Stabilität“.

„We stand with Ukraine“ mit den „Speerspitzen“ des Pop

Das Wiener Konzerthaus hat das Programm der gesamten Woche unter das Motto „Woche der Solidarität mit den Menschen in der Ukraine“ gestellt. Der Erlös der Konzerte geht an „Nachbarn in Not“. Veranstalter und Nova Rock-Geschäftsführer Ewald Tatar kündigte für den 19. März ein ganztägiges Benefizkonzert unter dem Motto „Wir stehen zur Ukraine“ im Ernst-Happel-Stadion an. „Die Speerspitzen der österreichischen Musik“ sind dabei, ein buntes, abwechslungsreiches Programm soll möglichst viele Menschen ansprechen.

„Es ist kein Konzert gegen etwas, sondern für Frieden und Freiheit und für die Menschen, die unter dem Krieg in der Ukraine leiden“, betonte Marco Wanda, Frontmann der Band Wanda, die neben Bilderbuch und Seiler & Speer ebenfalls auftreten wird. Außerdem gibt es Pizzera & Jaus, Mathea, Yung Hurn, Turbobier, Josh, Mavi Phoenix, Lisa Pac, Bibiza & Eli Preiss und Eazy.

Tatar hatte die Idee für das Open Air, als die Nova Rock Hall wieder für Flüchtlinge hergerichtet wurde. „Ich dachte, wir sollten eigentlich ein größeres Zeichen setzen und nicht nur die Halle zur Verfügung stellen.“ Tatar hofft auf ein ausverkauftes Stadion mit 40.000 bis 45.000 Besuchern.

„Voices for Peace“ im Rathaus

Unter dem Motto „Voices for Peace“ sorgen am Folgetag zahlreiche Künstler aus Klassik, Musical und Popmusik in der Wiener Stadthalle für ein besonderes Konzerterlebnis, dessen Erlös auch der Aktion „Nachbar in Not“ zugute kommt. Stars der Opernwelt und Klassikszene wie Rolando Villazon, die jungen Sängerinnen Regula Mühlemann und Patricia Nolz und die Wiener Sängerknaben setzen ihre Stimme für den Frieden ein.

Mit dabei sind Stargeiger Julian Rachlin, der Arnold Schönberg Chor und das Musicians for Peace Orchestra unter der Leitung von Erwin Ortner sowie das Janoska Ensemble. Das Konzert, das um 19 Uhr beginnt, wird um 20:15 Uhr live auf ORF III übertragen

Hochkarätiges Ensemble im Musikverein

„Ein gemeinsames Zeichen der Solidarität für die Menschen in der Ukraine“ wollen Orchester auch am 22. März im Wiener Musikverein setzen. An dem besonderen Abend bilden Musikerinnen und Musiker des Concentus Musicus Wien, des Wiener Akademieorchesters, des ORF Radio-Symphonieorchester Wien, des Tonkünstler-Orchesters Niederösterreich, der Wiener Symphoniker und des Wiener Gesangsvereins ein gemeinsames Ensemble mit internationalen Solisten. Der Erlös geht an Nachbarn in Not.

Der Abend wird von Dirigent Ivor Bolton geleitet. Als Solisten sind Gidon Kremer (Violine) und Jewgenij Kissin (Klavier) mit an Bord. Das Ensemble besteht aus Christiane Karg (Sopran), Lena Belkina (Alt), Michael Schade (Tenor) und Florian Boesch (Bass). Der Abend wird aufgezeichnet und am 27. März auf ORF III ausgestrahlt.

Das Programm wird Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Mieczyslaw Weinberg, Ludwig van Beethoven, Igor Lobodan, Georg Friedrich Händel und Frederic Chopin beinhalten und „ist inspiriert von der Idee, Mitgefühl und Solidarität mit den Menschen in der Ukraine musikalisch auszudrücken“.