1,5 Millionen für neue Krebstherapien – Regensburger Nachrichten

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Am Universitätsklinikum Regensburg wird an neuen Krebsimmuntherapien geforscht, um Krebs in Zukunft noch besser bekämpfen zu können. Im Rahmen des neu aufgelegten Exzellenzprogramms der Deutschen Krebshilfe wird das aktuelle Forschungsvorhaben mit 1,5 Millionen Euro gefördert.

Krebs ist eine der häufigsten Krankheiten der Welt. Die sich stetig verbessernde Forschung weckt die Hoffnung, dass die heimtückische Krankheit in Zukunft noch einfacher zu heilen oder zu behandeln sein wird. Die wissenschaftliche Arbeit von Professor Dr. Hendrik Poeck, Leitender Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des Universitätsklinikums Regensburg (UKR), wird im Rahmen des neu eingerichteten Exzellenzprogramms der Deutschen Krebshilfe (DKH) gefördert . Für das Forschungsprojekt zum Thema „Gezielte Beeinflussung von Krebsimmuntherapien durch mikrobielle Stoffwechselprodukte“ stehen insgesamt 1,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Fortschrittliche Forschung gibt Hoffnung

Krebserkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten Erkrankungen. Viele von ihnen sind mittlerweile gut behandelbar, aber leider gibt es trotz großer wissenschaftlicher Bemühungen immer noch keine absolute Gewissheit, dass die Betroffenen geheilt werden. Dennoch lassen stetig fortschreitende Forschungsarbeiten hoffen, dass Krebserkrankungen in Zukunft noch individueller behandelt und damit behandelt werden können die Heilungschancen steigen oder die Erkrankung zumindest nicht mehr lebensbedrohlich ist.

Beeindruckende Wirkung auf Lymphome

Eine neue Therapieoption, insbesondere bei Tumoren des blutbildenden Systems, ist die Immuntherapie mit sogenannten CAR-T-Zellen. Das sind gentechnisch veränderte T-Zellen, die mit synthetischen Antigen-spezifischen Rezeptoren (CARs) ausgestattet sind. „CAR“ steht hier für chimären Antigenrezeptor. Professor Dr. Hendrik Poeck erklärt den Ansatz seines Forschungsprojekts: „Die Wirksamkeit dieser neuen Krebsimmuntherapie bei hämatologischen Tumoren wie Lymphomen ist beeindruckend.“ Allerdings haben nicht alle Patienten auf diese Therapie angesprochen und auch bei Gewebetumoren hat sie noch nicht optimal gewirkt.

So funktioniert die CAR-T-Zelltherapie

Die CAR-T-Zelltherapie ist eine Form der Immuntherapie. Dadurch kann das körpereigene Immunsystem die Tumorzellen angreifen. Um eine Therapie mit CAR-T-Zellen durchführen zu können, werden weiße Blutkörperchen (Leukozyten) aus dem Blut des Patienten herausgefiltert. In diese T-Zellen wird im nächsten Schritt künstlich hergestellte Erbinformation eingebaut. Dadurch können die gentechnisch veränderten T-Zellen unabhängig voneinander den chimären Antigenrezeptor produzieren, der auf der Zelloberfläche erscheint. Die entstehenden CAR-T-Zellen können an die Tumorzellen andocken und diese nach der Rückgabe an den Patienten töten.

Die CAR-T-Zelltherapie wird derzeit bereits bei bestimmten Blut- und Lymphdrüsenkrebsarten wie einigen Non-Hodgkin-Lymphomen, der akuten lymphatischen Leukämie und dem multiplen Myelom eingesetzt.

Verbesserung der Wirksamkeit von CAR-T-Zellen

„Mit unserer wissenschaftlichen Arbeit wollen wir die Wirksamkeit dieser CAR-T-Zellen verbessern“, erläutert Professor Dr. Hendrik Poeck den Ansatz seines Forschungsvorhabens. Dabei sollen bestimmte Bestandteile der Darmflora, auch Darmmikrobiota genannt, helfen. Damit sind alle Mikroorganismen gemeint, die unseren Verdauungstrakt besiedeln.

Die Rolle der Darmflora

Darm- und Tumormikrobiota scheinen entscheidend für die Wirksamkeit von Immuntherapien zu sein. Der Spezialist für akute Leukämie, Stammzelltransplantation und Tumorimmunologie erklärt: „Wir wissen, dass bestimmte Botenstoffe aus der Mikrobiota, sogenannte mikrobielle Stoffwechselprodukte, die Aktivität unseres Immunsystems beeinflussen, und das wollen wir uns zunutze machen. Diese Stoffwechselprodukte können also über bisher nicht ausreichend verstandene Mechanismen wirken hemmen das Wachstum bösartiger Krebszellen. Außerdem wissen wir jetzt, dass die Die Verabreichung von Antibiotika kann die Wirksamkeit der CAR-T-Zelltherapie verringern.“

Ziel der Forschungsarbeiten von Professor Poeck und seinem Team ist es nun herauszufinden, wie sich die Funktion mikrobieller Stoffwechselprodukte aus dem Darm auf CAR-T-Zellen auswirkt und welche zellspezifischen Signalwege für die beobachteten Effekte verantwortlich sind.

Wichtiger Fortschritt für die Krebsbehandlung

„Durch unsere Einbindung in das Bayerische Zentrum für Krebsforschung (BZKF), das Comprehensive Cancer Center Ostbayern (CCCO), das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen WERA und die Sonderforschungsbereiche (SFB) zum Mikrobiom (SFB 1371), zu Immunsignalen bei Krebs (SFB 1335), Metastasierung (SFB TRR305) und allogener Stammzelltransplantation (SFB TRR221) können wir auf ein umfangreiches klinisches und wissenschaftliches Netzwerk zurückgreifen. Ich bin überzeugt, dass unsere Ergebnisse zu gezielten mikrobiellen Interventionen führen können. Diese sollten sich synergetisch verbessern die Anti-Tumor-Antwort von CAR-T-Zellen, die der Krebs-Immuntherapie einen weiteren, vielleicht entscheidenden Schritt nach vorne bringen können“, fasst Professor Poeck zusammen.

Die Deutsche Krebshilfe unterstützt „waghalsige“ Programme

Im Rahmen ihres neuen „Exzellenz-Förderprogramms für etablierte Wissenschaftler“ fördert die Deutsche Krebshilfe insgesamt sechs besonders innovative, aber auch „waghalsige“ Projekte („High Risk – High Gain“).

„Wir möchten den Forschern den notwendigen finanziellen und zeitlichen Freiraum geben, um zukunftsweisende Ideen für die Prävention, Diagnose und Behandlung von Krebs umzusetzen und konzeptionell neue Wege zu gehen“, sagt Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe . Er betont: „Wir sehen dies als Chance, wesentliche Erkenntnisse und Potenziale zu gewinnen um die Krebsmedizin entscheidend voranzubringen.“

Die Deutsche Krebshilfe stellte für das Programm über fünf Jahre insgesamt rund 8,7 Millionen Euro zur Verfügung.


Universitätsklinikum Regensburg / RNRed