9 Dinge, die Sie über die Asylsituation in Frankfurt wissen sollten

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9 Dinge, die Sie über die Asylsituation in Frankfurt wissen sollten
  • VonSarah Bernhardt

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Nicht nur Ukrainer, sondern auch reguläre Asylbewerber suchen Schutz in Frankfurt.

Im Moment kommen täglich Menschen auf der Flucht vor dem Krieg in der Ukraine nach Frankfurt. Sie bekommen schnell und unbürokratisch Hilfe – außerhalb des etablierten Asylsystems, das jede Woche eine bestimmte Anzahl neuer Asylsuchender der Stadt zuweist. Natürlich muss sich Frankfurt gleichermaßen um beide Gruppen kümmern, ebenso um die Flüchtlinge, die bereits hier leben. Und ihre Zahl ist zuletzt durch die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan wieder gestiegen. Redakteurin Sarah Bernhard wollte wissen, wie viele Asylbewerber sich derzeit tatsächlich in der Stadt aufhalten, wie und wo sie leben und was ihre Unterkunft in Zeiten von Klimainvestitionen und knappen Haushaltskassen jährlich kostet.

1. Ihre Herkunftsländer

Zwischen 40 und 45 Flüchtlinge muss die Stadt derzeit jede Woche aufnehmen, die größte Gruppe sind Menschen aus Afghanistan. Vor sechs Monaten waren es 13 Personen pro Woche. Der Anstieg ist zum einen darauf zurückzuführen, dass seit der Machtübernahme der Taliban viele afghanische einheimische Arbeitskräfte nach Deutschland gekommen sind, zum anderen werden Afghanen derzeit verstärkt aus den Erstaufnahmeeinrichtungen in die Kommunen verlegt. Zahlenmäßig folgen Flüchtlinge aus Syrien und Eritrea.

2. Ihre Wohnsituation

Laut Sozialamt wurden der Stadt zwischen Anfang 2015 und Ende 2021 durchschnittlich 21 Personen pro Woche zugewiesen, absolut waren das 8.300 Personen. Derzeit leben 3.700 Flüchtlinge in der Stadt, davon 3.000 in Not- und Übergangsunterkünften, 350 in Hotels und weitere 350 in Notunterkünften. Knapp die Hälfte von ihnen, rund 1.800 Menschen, könnten in eine eigene Wohnung ziehen – wenn es in Frankfurt genügend Wohnungen gäbe.

3. Ihre Unterkunft

In Frankfurt gibt es rund 100 Flüchtlingsunterkünfte. Die Menschen kommen zunächst in „Ankunftsunterkünfte“ mit Gemeinschaftsküchen und -bädern, wo eine engere Betreuung und Hilfe bei der Ankunft möglich ist. Wie es weitergeht, hängt von den Menschen ab: So gibt es beispielsweise Unterkünfte für junge Männer mit besonderen Bedürfnissen, ein „Safe House“ für queere Flüchtlinge und spezielle Unterkünfte für alleinstehende Frauen und ihre Kinder. Die Menschen kommen in der Regel aus Erstaufnahmeeinrichtungen, in denen sie bereits mehrere Monate gelebt haben. Deshalb gibt es in Frankfurt keine Flüchtlinge aus dem Grenzgebiet zwischen Polen und Weißrussland. Darüber hinaus gibt es in der Stadt drei separate Erstaufnahmeeinrichtungen für unbegleitete minderjährige Ausländer.

4. Ihre Ausbildung

562 Flüchtlingskinder zwischen sechs und 16 Jahren mussten im Dezember letzten Jahres zur Schule gehen. Ihre Zahl ist seit 2016 mehr oder weniger konstant. Sie war 2016 mit 544 schulpflichtigen Kindern am niedrigsten und 2019 mit 669 am höchsten. Insgesamt gibt es in Frankfurt mehr als 70.000 Schülerinnen und Schüler.

5. Ihre Arbeit

Knapp 4500 „Menschen im Kontext von Fluchtmigration“ erhalten in Frankfurt Hartz IV. Dazu gehören nicht nur diejenigen, die von der Stadt untergebracht werden, sondern beispielsweise auch bereits anerkannte oder geduldete Flüchtlinge. Das entspricht knapp zehn Prozent der Hartz-IV-Empfänger in der Stadt. Vor fünf Jahren waren es noch fünf Prozent, seitdem ist sowohl die Zahl der Leistungsempfänger mit Fluchthintergrund gestiegen als auch die Zahl der Hartz-IV-Empfänger insgesamt zurückgegangen.

Zum Vergleich: Knapp 6.800 Menschen aus den acht klassischen Asylherkunftsländern sind in Frankfurt sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Allerdings sind die Zahlen insofern schwer vergleichbar, als hier nur die Staatsangehörigkeit zählt, nicht ob ein Fluchthintergrund vorliegt. Ein als Fachkraft eingereister Afghane zählt, ein geflüchteter Marokkaner nicht. Hinzu kommen rund 200 Flüchtlinge, die in den vergangenen sechs Monaten ihren Job verloren haben und jetzt Arbeitslosengeld beziehen.

6. Ihre Wohnsituation

Im vergangenen Jahr wurden 15 Menschen aus Frankfurt abgeschoben, davon zehn in ihr Heimatland und fünf in ein anderes EU-Land, weil sie dort europäischen Boden betreten haben und deshalb dort einen Asylantrag stellen mussten. 2020 wurden insgesamt 16 Personen abgeschoben, 2019 38 und im Vorjahr 16 Personen. Tatsächlich müssten viel mehr Menschen das Land verlassen. Rund die Hälfte der abgelehnten Asylbewerber kann jedoch nicht in ihr Heimatland zurückkehren, weil sie keinen Pass oder keine Geburtsurkunde haben. Weitere 20 Prozent haben medizinische Gründe oder führen Gerichtsverfahren, Eingaben oder Härtefallanträge. Deutschland hat im März 2020 wegen Corona seine Abschiebungen in andere EU-Staaten vorübergehend ausgesetzt. Als der Europäische Gerichtshof klarstellte, dass die sechsmonatige Frist, in der die Flüchtlinge abgeschoben werden müssen, bevor sie in Deutschland offiziell Asyl beantragen können, nicht verlängert wird, setzte die Bundesrepublik Deutschland die Abschiebungen fort.

7. Die Kosten

Die Kosten für die Unterbringung von Flüchtlingen inklusive Sicherheitsdiensten sind in den letzten Jahren gesunken. 2016 waren es noch 66,3 Millionen Euro brutto, 2020 sanken die Kosten auf 60,5 Millionen Euro brutto. Davon musste die Stadt 27,7 Millionen Euro selbst tragen, den Rest erstattete das Land Hessen. Zum Vergleich: Im selben Jahr kostete die Altenpflege die Stadt 35,4 Millionen Euro. Zahlen für 2021 liegen noch nicht vor.

Extra: Flucht aus Afghanistan

Seit der Machtübernahme der Taliban und den daraus resultierenden Evakuierungsflügen ist die Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge aus Afghanistan deutlich gestiegen. Während es bis Ende 2021 nur eine Erstaufnahmeeinrichtung in Frankfurt gab, sind es seit Anfang dieses Jahres drei. Sobald feststeht, dass die Jugendlichen dauerhaft in Frankfurt bleiben, wechseln sie in vollstationäre Einrichtungen der Jugendhilfe. Im vergangenen Jahr war dies bei 70 Jugendlichen der Fall.

Extra: Der Flugplatz Old Bonames

Ende Oktober verließen die letzten Familien die Unterkünfte am alten Flugplatz in Bonames, Anfang dieses Jahres begann der Abriss der 2016 errichteten Wohncontainer. 166 ehemalige Bewohner wurden in andere Unterkünfte mit abgeschlossenen Wohneinheiten verlegt, 77 Personen fanden eine eigene Wohnung. „Wie das Beispiel zeigt, ist es sehr schwierig, Menschen direkt in bezahlbaren Wohnraum zu vermitteln“, sagt Miriam Bandar, Sprecherin der Sozialdezernentin Elke Voitl.