Angeklagter Pforzheimer gibt Beteiligung zu

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Großes Interesse am Prozess

Eine Gruppe Jugendlicher aus Pforzheim soll einen 22-Jährigen mit einem Schlagstock geschlagen haben. Der Vorwurf lautet auf versuchten Totschlag. Einer der Angeklagten ließ eine Aussage verlesen.

Zahlreichen Besuchern, die meist aus dem Kreis der angeklagten Familie stammen, wird der Zutritt zum Gericht verwehrt.

Foto: Arnd Waidelich

Eine „Prügelstrafe“ soll es gewesen sein, als sich eine Gruppe Jugendlicher aus Pforzheim am 4. April 2021 in Calw für einen Vorfall zwei Wochen zuvor rächen wollte. Eines ihrer Mitglieder hatte bei diesem einen verloren.

Fünf von ihnen sitzen seither in Untersuchungshaft. Sie müssen sich vor dem Landgericht Karlsruhe wegen versuchten Totschlags verantworten. Die Täter gingen mit brutaler Gewalt gegen ihre Opfer vor.

Es traf nicht nur den Körper, sondern auch den Kopf. Es wurde ein Schlagstock verwendet. Der Staatsanwalt sagte in seiner Anklageschrift, die Angeklagten hätten den Tod ihres Gegners akzeptiert.

Der Angeklagte gesteht die Tat und will Schadensersatz zahlen – der Richter hat Zweifel

Am Mittwoch wollte ein in Italien geborener Angeklagter seine letzten Zweifel an der Schuldfrage ausräumen. Mit einer persönlichen Stellungnahme seines Verteidigers Mathias Bürkle machte er einen sauberen Strich durch sein Engagement.

Ein Video zeigt deutlich, dass er sich mit einem Schlagstock zweimal auf den Körper und einmal auf den Kopf schlug. Das hat er noch nicht so deutlich eingeräumt und will das nun nachholen. Er wollte sich gegen ständige Drohungen gegen seine Familie wehren. Es staute sich alles in ihm und entlud sich ohne nachzudenken in den Schlägen.

Er wolle sich entschuldigen, hieß es, und er hoffe, dass seine Entschuldigung angenommen werde, damit in Zukunft Frieden zwischen den Familien herrsche. Er wollte im Rahmen seiner bescheidenen Verhältnisse eine Entschädigung leisten. Daran hatte Richterin Diana Schick ihre Zweifel. Auf die Frage, worin diese Entschädigung bestehen könnte, konnte der Angeklagte nur mit wenig überzeugenden Ausreden antworten.

Angeklagter verletzt anderen Insassen in der Justizvollzugsanstalt Ravensburg

Auch den Arbeitsvertrag, der von der Familie organisiert und vorgelegt wurde, um eine günstige Sozialprognose zu erhalten, fand der Richter nicht überzeugend („Weiß der Arbeitgeber, warum Sie in Haft sind?“). Auch der Vertreter der Jugendgerichtshilfe wollte kein sauberes Gesundheitszeugnis ausstellen. Dem bei einem Sondierungsgespräch geäußerten „Ich will nichts mehr vermasseln“ konterte der Angeklagte mit einem Vorfall in der Justizvollzugsanstalt.

Der Vater, der mit 18 Jahren offensichtlich zu früh Vater geworden war, verletzte in der Justizvollzugsanstalt Ravensburg einen anderen Häftling. Als Führungskraft verinnerlicht er mafiöse Denkstrukturen, die er hinter einer freundlichen Fassade verbirgt. Wegen Entwicklungsverzögerungen soll auf ihn weiterhin das Jugendstrafrecht Anwendung finden und Bewährung gewährt werden.

Die vorangegangenen Verhandlungstage hatten großes öffentliches Interesse geweckt. Zahlreiche Besucher, die vor allem aus dem Kreis der Angehörigen der Inhaftierten in Ravensburg und Ulm stammten, durften nicht mehr eingelassen werden. Am Mittwoch drängten sich wieder Besucher vor dem Landgericht, die von nicht weniger vielen beobachtet wurden Polizisten.

Der Prozess wird am 4. Februar in Stammheim mit den Schriftsätzen der Staatsanwaltschaft und der Verteidiger fortgesetzt. Das Urteil ist für den 14. Februar geplant.