Buddhismus: Achtsam leben – Millionen trauern um Thich Nhat Hanh – Unterhaltung

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Während seines Exils verbrachte er viel Zeit in Frankreich, wo er 1982 das berühmte „Plum Village“, ein buddhistisches Meditationszentrum in der Nähe von Bordeaux, gründete. Seitdem nehmen jedes Jahr Tausende von Menschen aus allen Teilen der Welt an den Retreats im Zentrum teil. In Deutschland gründete Thich Nhat Hanh 2008 das „Europäische Institut für Angewandten Buddhismus“ (EIAB) in Waldbröl. Seine Vorträge in Europa und den USA fanden unzählige Anhänger.

Die Kunst der Präsenz, Mitgefühl für alle Lebewesen und das glückliche Leben im gegenwärtigen Moment waren seine Themen, über die er oft mit einem verschmitzten Lächeln dozierte. Wenn Thich Nhat Hanh aß, aß er, wenn er trank, trank er, wenn er ging, ging er. Achtsam, in jedem Moment, konzentriert auf das Jetzt und darauf, im Moment zu sein. So einfach. Und doch so kompliziert, wie viele seiner Schüler wissen.

Wie ein glückliches Leben gelingen kann

Die New York Times beschrieb ihn einmal als „einen kleinen, schlanken Mann, der eine Aura der Stille und einen Fokus besitzt, der Aufmerksamkeit erregt“. Seine Botschaft sei stets äußerst klar und präzise formuliert worden, so die Zeitung. Thich Nhat Hanh erklärte auf praktische Weise, wie ein glückliches Leben gelingen kann, ging aber gleichzeitig auf die Tatsache menschlichen Leids und Gefühle wie Wut und Angst ein.

Lotusblumen zog er gerne als Vergleich heran: „Wir versuchen, Leid in Gutes zu verwandeln. Auch die Lotusblume braucht Schlamm, um zu gedeihen. Sie wächst nicht auf Marmor“, betonte er. „Du musst erkennen, dass es eine enge Verbindung zwischen Leiden und Glück gibt. Wenn du vor dem Leiden davonläufst, kannst du kein Glück finden.“

Im Jahr 2017 wurde ein gefeierter Dokumentarfilm, Walk with Me, über Thich Nhat Hanhs friedliche Welt der Achtsamkeit veröffentlicht. Als Sprecher fungierte der britische Schauspieler Benedict Cumberbatch („12 Years a Slave“). Die Filmemacher hatten die Mönchsgemeinschaft zuvor mehrere Jahre lang begleitet.

Plädoyer für „engagierten Buddhismus“

Rund 30 seiner in zahlreiche Sprachen übersetzten Werke sind auch in deutscher Sprache erschienen. „Ob das ein glücklicher Moment ist, hängt nicht vom Moment ab, sondern von unserer Sichtweise“, heißt es dort. Und: „Ich wache auf und lächle. Vierundzwanzig neue Stunden liegen vor mir. Ich gelobe, jeden Moment bewusst zu leben und alle Wesen mit Augen des Mitgefühls zu betrachten.“ Thich Nhat Hanh plädierte für einen „engagierten Buddhismus“: Nach dieser Lehre sollten meditative Erfahrungen mit einem aktiven Engagement für Umwelt, Mitmenschen und alle Wesen verbunden werden.

Nach einem Schlaganfall im Jahr 2014 zog sich Thich Nhat Hanh weitgehend zurück. Ende 2018 kehrte er nach Vietnam zurück. Seinen Schülern sagte er, er wolle im Kloster Tu Hieu in der zentralvietnamesischen Stadt Hue bleiben, wo er einst zum Mönch ordiniert worden war, „bis zu dem Tag, an dem sich dieser Körper in seine Bestandteile auflöst“. In einem Gedicht schrieb er einmal: „Dieser Körper bin nicht ich, ich bin nicht an diesen Körper gebunden, ich bin Leben ohne Grenzen. (…) Also lächle mich an, nimm meine Hand und winke zum Abschied.“

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