Erhöhte Radioaktivität in Tschernobyl: Brauchen wir Jodtabletten?

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Erhöhte Radioaktivität in Tschernobyl: Brauchen wir Jodtabletten?

Während des Ukraine-Krieges eroberten russische Truppen das ehemalige Kernkraftwerk Tschernobyl. Die Radioaktivität hat zugenommen. Müssen wir für eine neue Strahlenkatastrophe vorsorgen?

Nach der Einnahme der zerstörten Atomanlage aus Tschernobyl von der russischen Armee sind dort nach Angaben der Ukraine Es wurden erhöhte Strahlungswerte gemessen. In der Sperrzone sei am Freitagmorgen ein „Anstieg der Indikatoren über die Kontrollwerte“ festgestellt worden, sagte Alexander Grigorach von der ukrainischen Atomaufsichtsbehörde der Nachrichtenagentur AFP.

Dunkle Erinnerungen werden wach. Der Reaktorblock 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl explodierte am 26. April 1986 und verseuchte große Teile der Ukraine, Russlands und Weißrusslands. Die radioaktive Wolke zog auch über Mitteleuropa und damit Deutschland. Die Sorge wächst: Kann Deutschland erneut verseucht werden? Müssen wir Vorkehrungen treffen?

Was bekannt ist?

Am Freitag erklärte das ukrainische Parlament, dass an mehreren Messpunkten in der Sperrzone erhöhte Gammastrahlung registriert worden sei, ohne jedoch genaue Werte zu nennen. Aufgrund der Besetzung der Anlage durch die russische Armee ist es derzeit nicht möglich, die Gründe für die Änderung zu ermitteln.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) Inzwischen liegen jedoch genauere Daten vor. Diese Strahlungswerte von bis zu 9,46 Mikrosievert pro Stunde stuft sie als gering ein. Die Werte lägen im Bereich bisheriger Messungen in der Sperrzone um Tschernobyl, hieß es. „Deshalb stellen sie keine Gefahr für die Öffentlichkeit dar“, schrieb die IAEA in Wien.

Laut ukrainischen Behörden könnte die erhöhte Strahlung von Militärfahrzeugen aus dem Boden hochgeschleudert worden sein, der noch Jahrzehnte nach der Atomkatastrophe verseucht ist.

IAEA-Chef Rafael Grossi berichtete über die allgemeine Lage, dass die Betriebssicherheit der 15 aktiven Kernkraftwerke in der Ukraine gewährleistet sei. Er ist jedoch nach wie vor zutiefst besorgt über die Situation im Land.

Social-Media-Bedenken: Brauchen wir jetzt Jodpillen?

Dennoch entbrannte auf Twitter und anderen sozialen Netzwerken eine Diskussion darüber, ob sich jeder vorsorglich Jodtabletten kaufen sollte. Sie können Strahlenschäden abwenden.

Das erklärt, wie es funktioniert Bundesamt für Strahlenschutz (BfS): „Bei einem Unfall in einem Kernkraftwerk können radioaktive Stoffe – darunter auch radioaktives Jod – freigesetzt werden Schilddrüse bereichern und die Entwicklung von Schilddrüsenkrebs fördern.“

Nehmen Betroffene nicht radioaktives Jod in Form von hochdosierten Jodtabletten (auch: „Kaliumjodidtabletten“) zum richtigen Zeitpunkt ein, können sie verhindern, dass sich radioaktives Jod in ihrer Schilddrüse anreichert. Das BfS weiter: „Die Schilddrüse wird mit Hilfe der Tabletten mit nicht radioaktivem Jod gesättigt, so dass radioaktives Jod zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr von der Schilddrüse aufgenommen werden kann. Man spricht von einer Jodblockade.“ .“

Selbstmedikation kann zu schweren Nebenwirkungen führen

Aktuell rät die Behörde jedoch dringend von der Einnahme dieser Tabletten ab. „Hier und da taucht einfach auf, dass man jetzt Jodtabletten nehmen soll. Das ist falsch.“

Auf der Internetseite des BfS heißt es: „Jodtabletten sollten nur auf ausdrückliche Aufforderung der Katastrophenschutzbehörden eingenommen werden – und nur in der von den Behörden vorgegebenen Dosis.“ Seit der Einnahme der (hochdosierten) Jodtabletten Nebenwirkungen von Selbstmedikation wird dringend abgeraten.“

Auch der Zeitpunkt der Verabreichung des Arzneimittels ist entscheidend, um überhaupt wirken zu können. Und das wird nach einem Notfall über die Zivilschutzbehörden gemeldet.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen keinesfalls eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht dazu verwendet werden, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen einzuleiten.