Gesundheit – Corona-Inzidenz in Deutschland sinkt erstmals seit Wochen – Gesundheit

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Berlin (dpa) – Erstmals seit Ende Dezember hat das Robert-Koch-Institut (RKI) eine bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz niedriger als am Vortag gemeldet – obwohl die Aussagekraft der Daten derzeit eingeschränkt ist.

Den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche gab das RKI am Sonntagmorgen mit 1466,5 an. Am Vortag lag der Wert noch bei 1474,3. Ob dies auf ein Plateau der Omicron-Welle hinweist und ob der rasante Anstieg der Infektionen in Deutschland gebremst wurde, ist schwer zu beurteilen. Es könnte auch sein, dass der Rückgang der Inzidenz nicht das tatsächliche Infektionsgeschehen widerspiegelt, sondern das Ergebnis eines überlasteten Melde- und Testsystems ist.

Unter anderem könnte es auch eine Rolle spielen, dass manche Menschen ihren positiven Selbsttest oder Schnelltest nicht mit einem PCR-Test abklären lassen. Sie erscheinen dann nicht in der Statistik. Vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz bei 1400,8 (Vormonat: 427,7). Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI innerhalb eines Tages 125.160 Neuinfektionen, das sind etwas weniger als vor einer Woche mit 133.173 Infektionen.

Corona-Moderator Dirk Brockmann hatte in diesen Tagen mit einem Höhepunkt der Infektion gerechnet. „Der Verlauf dieser Omikron-Welle erreicht jetzt seinen Höhepunkt und wir erwarten, dass das Maximum dann in den nächsten Tagen erreicht wird“, sagte der Physiker von der Humboldt-Universität zu Berlin am Freitag im Deutschlandfunk. Experten sehen die Situation in den Bundesländern unterschiedlich.

Bayern mit der bundesweit höchsten Inzidenz

Für Bayern meldete das RKI am Sonntag mit 1798,3 die höchste Inzidenz aller Bundesländer. Obwohl die Inzidenz dort seit einigen Tagen sinkt, sieht Corona-Experte Clemens Wendtner die Pandemie noch nicht über den Berg. „Den aktuellen Rückgang der Zahlen würde ich auf die verzögerte Meldung und die begrenzten Kapazitäten für PCR-Tests zurückführen“, sagte der Chefarzt für Infektiologie am Münchner Klinikum Schwabing der Deutschen Presse-Agentur. Und selbst wenn der Höhepunkt der Neuinfektionen erreicht ist, ist der Infektionsprozess noch nicht abgeschlossen: „Es dauert in der Regel zwei bis drei Wochen, bis die Patienten zu uns kommen“, sagt der Klinikarzt und warnt: „Es bringt nichts, jetzt anzufangen eine massive Eröffnungsdebatte. Das führt nicht zu Begeisterung in den Kliniken, weil wir es am Ende verkraften müssen.“

Für Schleswig-Holstein, dessen ohnehin deutlich geringere Inzidenzen von Dienstag mit 885,5 auf Sonntag mit 758,6 deutlich gesunken sind, hält der Kieler Virologe Helmut Fickenscher hingegen weitere Lockerungen der Corona-Maßnahmen für möglich. Eine generelle Aufhebung der Beschränkungen wie im Nachbarland Dänemark sei derzeit nicht sinnvoll. „Vieles deutet darauf hin, dass der Höhepunkt der Omicron-Welle in Schleswig-Holstein und einigen anderen norddeutschen Bundesländern überschritten ist“, sagte der Leiter des Instituts für Infektionsmedizin an der Universität Kiel der Deutschen Presse-Agentur. Schleswig-Holstein war nach RKI-Angaben am Sonntag das Bundesland mit der niedrigsten Sieben-Tage-Inzidenz.

Fickenscher sieht die Krankenhaussituation in Schleswig-Holstein positiv: „Die verschiedenen Parameter für die Krankenhausbelastung und die Schwere der Erkrankungen sind rückläufig.“ Entgegen Befürchtungen sind diese mit der sogenannten Omicron-Wand nicht aufgegangen oder gar explodiert. „Es ist damit zu rechnen, dass die Epidemie massiv zurückgehen wird, wenn es tatsächlich wärmer wird. Wann das tatsächlich der Fall sein wird, bleibt abzuwarten. Der Optimismus der Politik ist etwas zu groß. Der Sommer beginnt einfach nicht im März.“

58 weitere Todesfälle innerhalb von 24 Stunden

In Deutschland war die Zahl der Corona-Infizierten pro 100.000 Einwohner, die in Kliniken kamen, zuletzt innerhalb von sieben Tagen gestiegen. Das RKI gab am Freitag einen Wert von 6,46 an (Donnerstag: 6,23). Darunter können aber auch Personen mit positivem Corona-Test sein, die eine andere Haupterkrankung haben. Dazu gibt es am Wochenende keine neuen Zahlen.

Zudem wurden laut RKI 58 Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet. Vor einer Woche gab es 41 Todesfälle. Seit Beginn der Pandemie hat das RKI 12.344.661 Infektionen mit Sars-CoV-2 gezählt. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen. Die Zahl der Menschen, die an einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 starben oder daran beteiligt waren, stieg auf 119.935.

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