Gesundheit – Kiel – Schleswig-Holsteiner müssen sich auf neue Regeln einstellen – Gesundheit

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Kiel (dpa/lno) – Schon vor den Beratungen der Länder am Freitag zur Corona-Lage hat Schleswig-Holstein weitere Einschränkungen angekündigt. Ab nächster Woche sollen Veranstaltungen im Sitzen, etwa im Theater, Kino oder bei Konzerten, nur noch bis 500 Personen erlaubt sein. Im organisierten Sport und im Fitnessstudio gilt 2G plus für alle ab 18 Jahren. Zutritt haben nur Geimpfte und mit einem aktuellen Test genesene Personen – mit Ausnahme von Personen mit Auffrischimpfung.

„Momentan sehen wir eine Zunahme der Infektionen – auch nach Diskothekenbesuchen sind Fälle aufgetreten“, sagte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Die Zahl der Neuinfektionen hat mittlerweile eine andere Bedeutung als in den vorherigen Corona-Wellen. Die hohe Impfrate reduziert die Zahl der schweren Verläufe. Studien aus anderen Ländern haben dies bestätigt. Die Krankenhauseinweisungshäufigkeit und die Belastung der Intensivkapazitäten blieben die Benchmark. Diese liegen aktuell deutlich unter den Werten von vor einem Jahr. Dennoch sei es angesichts der aktuell sehr stark gestiegenen Infektionszahlen richtig, vorsichtig zu bleiben, weshalb die Landesregierung weitere Maßnahmen plane, sagte Günther.

Nach Angaben des Landesmeldeamtes wurden am Mittwoch 2976 neue Corona-Infektionen registriert. Die Zahl der registrierten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen lag bei 405,4. Schleswig-Holstein war nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Donnerstagmorgen das Bundesland mit der fünfthöchsten Inzidenz – nach Bremen, Brandenburg, Berlin und Hamburg. Die Inzidenz von Krankenhauseinweisungen betrug 3,13. Sie gibt an, wie viele Corona-Erkrankte pro 100.000 Menschen innerhalb einer Woche in Kliniken kamen. 221 Covid-Patienten wurden in Krankenhäusern behandelt, 52 davon auf Intensivstationen. 33 von ihnen wurden beatmet.

Zudem will die Regierung die Maskenpflicht ausweiten. Sie soll künftig auch für Mitarbeiter im Einzelhandel gelten, unabhängig von physischen Barrieren wie an der Kasse. Stellt der Landtag in seiner Sondersitzung am Montag wie geplant eine Seuchenlage für den Norden fest, sollen Diskotheken und ähnliche Einrichtungen geschlossen werden. Von 23 bis 5 Uhr ist auch eine Ausgangssperre geplant.

Die Infektionszahlen sind zuletzt in die Höhe geschnellt, weil sich an mehreren Orten Teilnehmer großer Weihnachtsfeiern in Clubs angesteckt haben. Tausende Menschen befinden sich in Quarantäne, weil sich dort zahlreiche Gäste mit der Omikron-Variante angesteckt haben.

Auch die Landesregierung hat nach Ansicht von Landtagsvizepräsidentin Aminata Touré Fehler im Umgang mit der Pandemie gemacht. „Auf jeden Fall“, sagte der Grünen-Politiker auf eine Frage der „Kieler Nachrichten“. „Aber wir als Politik insgesamt, würde ich sagen. Lange Zeit wurde der Grundsatz verfolgt, dass die geringen Inzidenzen ausschließlich auf eine gute Politik im Norden zurückzuführen sind.“

Die SPD-Sozialpolitikerin Birte Pauls forderte, „alles zu tun, um die Gesundheit der Bevölkerung und die kritische Infrastruktur zu schützen“. Auch weitere Tests, Kontaktbeschränkungen und niedrigschwellige Impfangebote sind notwendig. „Weitere Maßnahmen sollten nach Maßgabe der norddeutschen Bundesländer bzw. bundesweit umgesetzt werden, damit es nicht noch einmal vorkommt, dass in Hamburg Clubs geschlossen werden und in Schleswig-Holstein getanzt werden darf.“

Der Landrat des derzeit besonders betroffenen Kreises Dithmarschen, Stefan Mohrdieck, fordert einen klaren Kurs. „Vielleicht sollten wir etwas entspannter sein“, sagte Mohrdieck der Deutschen Presse-Agentur. Ob die Restriktionen zurückgenommen werden und „vielleicht lassen wir auch mal los“, müsse entschieden werden, denn so gefährlich sei die Omikron-Variante nach Ansicht von Medizinern nicht. „Wenn man dieser Überzeugung nicht folgt, müssen wir natürlich deutlich rigorose Maßnahmen haben, die dann eher in Richtung Lockdown gehen, die dann wirklich zum Pausieren und Kontakteinschränken animieren.“

Mit 671,7 hatte der Kreis nach Angaben des Robert-Koch-Instituts nach der Stadt Bremen am Donnerstagmorgen die höchste Zahl an Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen pro 100.000 Einwohner in Deutschland. Die RKI-Liste bezieht sich auf die Zahlen vom Vortag – also von Mittwoch. Am Donnerstagnachmittag meldete der Landkreis 350 neue Fälle und die Inzidenz lag bei 808,6.

Unterdessen soll am Montag der Schulunterricht unter verschärften Corona-Schutzmaßnahmen beginnen. In den ersten zwei Wochen sind drei statt zwei Tests pro Woche vorgesehen. Der Präsenzunterricht habe höchste Priorität, sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU). „Schüler brauchen so viel wie möglich Kontinuität und Normalität.“ Es ist geplant, die obligatorische Untersuchung auf Genesene und Geimpfte auszuweiten. Ab Montag müssen alle Schularten und alle Altersgruppen eine Maske tragen. Grund- und Sonderschüler werden in Kohorten unterrichtet.

Schleswig-Holstein hat bereits Vorschläge der Gesundheitsminister zur Verkürzung der Corona-Quarantänezeiten umgesetzt. Ab sofort sind zehn Tage einheitlich für enge Kontaktpersonen von Infizierten – unabhängig von der Virusvariante. Geimpfte Mitarbeiter mit Grundimmunisierung aus Bereichen der kritischen Infrastruktur können nach einem negativen PCR-Test nach fünf Tagen wieder arbeiten.

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