Getötetes Ärztepaar in Mistelbach: Was wir wissen und was nicht

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Es ist ein Verbrechen, das dich sprachlos macht. Ein 18-Jähriger soll die Eltern seiner Freundin im Schlafzimmer niedergestochen haben. Nach Angaben der Ermittler hielten sich die Teenagerin und drei jüngere Geschwister zur Tatzeit im Haus auf. Die Frage „warum?“ bleibt offen. In dem 1600-Einwohner-Dorf Mistelbach im Landkreis Bayreuth, wo die Familie lebte, sowie in der gesamten Region herrscht große Bestürzung und Anteilnahme.

Suche nach der Wahrheit: Polizei bittet um Zeit

Auch knapp zwei Wochen nach der Tat geben die Behörden kaum Auskunft über das Geschehene. Derweil kursieren Gerüchte, die die ohnehin schon schockierenden Ereignisse noch gewaltiger erscheinen lassen. „Wir versuchen, die Wahrheit anhand objektiver Fakten zu finden. Und das braucht Zeit. Wir bitten um Ihr Verständnis“, sagt Polizeisprecher Matthias Potzel. Eine mündliche Aussage bei der Polizei ist das eine – es akribisch zu beweisen, den Verdächtigen zu überführen oder zu widerlegen das andere. Der 18-Jährige hatte die Tat bei der ersten Vernehmung durch die Polizei zugegeben.

Das Geständnis muss überprüft werden

Auch Oberstaatsanwalt Martin Dippold sagt: Ein Geständnis muss nicht unbedingt stimmen. „Wir müssen überprüfen, was er gesagt hat.“ Genaue Angaben können angesichts der massiven Vorwürfe nur gemacht werden, wenn belastbare Fakten vorliegen – auch aus Rücksicht auf die vier minderjährigen Kinder der Opfer. Dafür sorgt das Jugendamt. Das Schicksal der Kinder bewegt die Menschen besonders.

Kollegen und Freunde trauern um die toten Ärzte

Der Vater der getöteten Familie war als Kinderarzt in der Region bekannt. Sein Praxispartner und das Team veröffentlichten kurz nach der Tat eine Stellungnahme im Internet. Darin drückten die Kollegen ihre Fassungslosigkeit aus und kündigten an, die Praxis als „gemeinsames Herzensprojekt“ fortführen zu wollen. In einer Todesanzeige der Praxis heißt es: „Wir denken an die zurückgebliebenen Kinder und ihre Familien, deren Schmerz noch viel größer ist.“ Inzwischen hat die Praxis – wie lange geplant – einen weiteren Standort eröffnet. „Wir arbeiten“, schrieb der Partner auf Twitter. Er beschrieb seinen Kollegen als einen wunderbaren Menschen und einen großartigen Arzt.

Bürger gedenken der Opfer in Mistelbach

Auch die Bewohner der Heimatgemeinde der Opfer versuchen, einen Weg zu finden, mit dem Geschehen umzugehen. Die Tat rückte das Dorf plötzlich ins Blickfeld der Öffentlichkeit. In der evangelischen Kirche gab es kürzlich einen Gedenknachmittag, an dem sich viele Menschen beteiligten; auf mehrere Stunden verteilt, um die Corona-Bestimmungen einzuhalten.

Was geschah in der Nacht zum 9. Januar?

Rückblende: Gegen 1 Uhr morgens hörten Nachbarn Hilferufe aus dem Haus und riefen die Polizei. Beamte fanden den 51-jährigen Kinderarzt und seine 47-jährige Frau, ebenfalls Ärztin, tot im Keller. Die Ermittler gehen davon aus, dass die beiden im Schlaf überrascht und erstochen wurden.

Wer ist verdächtig?

Die Ermittler konzentrierten sich auf einen 18-Jährigen aus dem Landkreis als dringenden Tatverdächtigen. Er stellte sich wenige Stunden nach der Tat im nahe gelegenen Bayreuth. Gegenüber der Polizei gestand er die Tat zunächst ein, schwieg dann aber gegenüber dem Ermittlungsrichter. Er erließ einen Haftbefehl wegen zweifachen Mordes. Seitdem sitzt der 18-Jährige in einer Jugendstrafvollzugsanstalt in Untersuchungshaft. Tage nach der Tat sagte die Polizei, sie gehe davon aus, dass der Verdächtige allein gehandelt habe. „Die Ermittlungen, auch im Hinblick auf mögliche weitere Tatbeteiligte, dauern noch an“, sagte sie eine Woche später. Konkretere Informationen dazu gab es bisher nicht.

Was war das Motiv?

Es gibt dazu keine Informationen von den Behörden, aber es gibt viele Gerüchte. Die Staatsanwaltschaft will sich dazu nicht äußern. Der mutmaßliche Täter war der Freund der ältesten Tochter und verbrachte deshalb die Nacht im Haus. Medienberichten zufolge lebt der junge Mann seit Kurzem bei der Familie. Den Fragen zum Motiv geht die Kripo noch nach – sowohl mit den Angehörigen der Opfer als auch mit der Familie des Tatverdächtigen. Die Behörden machten keine Angaben darüber, was er zu den Ereignissen sagte. Sein Anwalt sagte, sein Mandant habe gegenüber der Polizei zugegeben, dass er zwei Menschen erstochen habe.

Was machen die Ermittler?

Unter anderem werden beschlagnahmte Spuren ausgewertet und mögliche Tatwerkzeuge überprüft. Mehrere Messer aus dem Haus wurden beschlagnahmt. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass insbesondere Gutachten zu DNA-Spuren Zeit brauchen“, teilte die Polizei mit. Die Kripo ermittelt auch, ob es einen Zusammenhang zur Tötung eines 24-Jährigen in Bayreuth im August 2020 gibt. Ein Polizeisprecher betonte, dass dies bei Gewaltausbrüchen oder beim Einsatz eines Schneidwerkzeugs routinemäßig vorkomme.

Was kommt als nächstes?

„Die Ermittlungen werden intensiv weitergeführt“, sagt Oberstaatsanwalt Dippold. Er gehe davon aus, dass weitere Informationen wohl erst in etwa zwei Wochen vorliegen werden.

(Mit Material der dpa)