Hilfsmittel: Rollatoren und Co. richtig beantragen | NDR.de – Wegweiser

Startseite » Hilfsmittel: Rollatoren und Co. richtig beantragen | NDR.de – Wegweiser

Stand: 17.01.2022 09:24 Uhr

Wer krank oder behindert ist, braucht oft Hilfsmittel wie Gehhilfen, Rollstühle oder Prothesen. Was sollten Versicherte bei der Kostenübernahme durch die Krankenkasse und beim Einkauf beachten?

von Susann Kowatsch

Hilfsmittel sind bewegliche Gegenstände, die Menschen mit Erkrankungen oder Behinderungen helfen, schmerzfrei und selbstbestimmt im Alltag zu leben. Sie sollen den Erfolg einer medizinischen Behandlung sicherstellen, einer drohenden Invalidität vorbeugen oder eine Invalidität ausgleichen. Weit über 30.000 sind in den sog Ressourcenindex aufgeführt. Gesetzliche Krankenkassen können die Kosten übernehmen oder Hilfsmittel leihweise zur Verfügung stellen.

Rezeptpflicht für die Krankenkasse zur Kostenübernahme

Damit die Krankenkasse ein Hilfsmittel bewilligt und die Kosten übernimmt, benötigen Sie eine ärztliche Verordnung – ein Rezept. Der Arzt entscheidet, welche Hilfsmittel in der Situation sinnvoll und notwendig sind. Für die Bewertung und Klassifizierung gibt es einen sog Ressourcenrichtlinie. Es ist wichtig, dass das Rezept so genau wie möglich ausgefüllt wird. Es ist wichtig, dass auf dem Rezept angegeben ist, dass es medizinisch notwendig ist. Wird ein Hilfsmittel von der Krankenkasse abgelehnt, hat der Versicherte ein Widerspruchs- oder Beschwerderecht.

Wie viel müssen Versicherte zahlen?

Erwachsene müssen für jedes Hilfsmittel mindestens fünf Euro und höchstens zehn Euro bezahlen. Bei verbrauchbaren Hilfsmitteln – etwa Inkontinenzhilfen – sind es maximal zehn Euro im Monat.

Übersteigen alle Zuzahlungen im Jahr zwei Prozent des Jahresbruttoeinkommens, können sich Versicherte von ihrer Krankenkasse von weiteren Zuzahlungen im Kalenderjahr befreien lassen oder Zuzahlungen erstatten lassen. Bei schweren oder chronischen Erkrankungen gilt eine Belastungsgrenze von einem Prozent. Die Zuzahlungsbefreiung erfolgt nicht automatisch, sie muss beantragt werden. Rechnungen und Quittungen sollten daher von den Betroffenen aufbewahrt werden.

Checkout-Modelle decken nur den medizinischen Bedarf ab

Bei den vorgeschriebenen Hilfsmitteln handelt es sich meist um Standardausführungen, für die außer der Zuzahlung von maximal zehn Euro keine weiteren Eigenleistungen erforderlich sind. Diese Kassenmodelle reichen laut Verbraucherzentrale in der Regel aus, um den medizinisch notwendigen Bedarf zu decken. Patienten können sich aber auch für ein Hilfsmittel entscheiden, das über das Notwendige hinausgeht. Das kann zum Beispiel eine höherwertige Ausführung oder ein Modell mit Sonderfunktionen sein. Diese Mehrkosten werden oft nicht vollständig von den Krankenkassen übernommen.

Lassen Sie sich im Sanitätshaus gut beraten

Leistungserbringer wie Sanitätshäuser sind gesetzlich verpflichtet, im Beratungsgespräch immer über weitere kostenfreie Krankenversicherungsmodelle zu informieren. Verbraucher sollten immer danach fragen und sie testen. Vor Unterzeichnung sollte das Beratungsprotokoll bzw. der Vertrag sorgfältig gelesen werden. Eine Rückgabe oder ein Umtausch ist bei den meisten Hilfsmitteln in der Regel nicht vorgesehen. Daher rät Verbraucherzentrale aus Spontankäufen. Jeder Einkauf in einem Sanitätshaus sollte gut überlegt sein, denn im Zweifel bleibt man beim Produkt.

Werkzeug online bestellen

Auch Hilfsmittel können online bestellt werden, was jedoch nicht immer ratsam ist: Müssen individuelle Anpassungen an Hilfsmitteln vorgenommen werden, ist die Sozialverband Deutschland ein Kauf im stationären Sanitätshaus, da dort eine individuelle Beratung erfolgen kann. Nicht verschreibungspflichtige Artikel wie Duschhocker oder Blutdruckmessgeräte können online jedoch günstiger sein als in Geschäften. Auch bei regelmäßig benötigten Hilfsmitteln wie Inkontinenzartikeln kann eine Bestellung im Internet sinnvoll sein, da oft ein Preisvorteil oder Rabatt gewährt wird.

Neben der Krankenkasse sind auch andere Kostenträger möglich

Bei der Kostenübernahme für ein Hilfsmittel kommen mehrere Kostenträger in Betracht. In den meisten Fällen ist die gesetzliche Krankenkasse die richtige Adresse. Je nach Zweck oder Anlass der Hilfebedürftigkeit können auch die Rentenversicherung, die Unfallversicherung, die Agentur für Arbeit oder das Sozialamt die Kosten übernehmen.

Was ist der Unterschied zu Pflegehilfsmitteln?

Pflegehilfsmittel werden von der gesetzlichen Pflegeversicherung gewährt. Voraussetzung dafür ist eine festgestellte Pflegebedürftigkeit, also das Vorliegen eines Pflegegrades. Pflegehilfsmittel sind Geräte und Materialien, die für die häusliche Pflege notwendig sind. Sie sollen die Pflege erleichtern und helfen, Symptome zu lindern oder dem Pflegebedürftigen ein selbstständigeres Leben zu ermöglichen.

Weitere Informationen

Lehnen gesetzliche Krankenkassen eine angeforderte Leistung ab, können Versicherte Widerspruch einlegen. Betroffene erhalten Hilfe von zahlreichen unabhängigen Beratungsstellen. mehr

Eine Krankenschwester hält die Hand eines bettlägerigen Bewohners in einem Pflegeheim.  © dpa Foto: Oliver Berg

Viele sind nicht darauf vorbereitet, wenn Eltern abhängig werden. So finden Sie ein gutes Zuhause Was bedeutet es, sich selbst zu versorgen? Ein Ratgeber für Betroffene. mehr

Eine Krankenschwester legt einen Verband um das Bein eines alten Mannes.  © imago images / blickwinkel/McPhoto

Wer den Alltag nicht mehr alleine bewältigen kann, kann Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen. Bewerbungstipps. mehr

Polnische Altenpflegerin © NDR Foto: Reiner Scholz

Viele sind nicht darauf vorbereitet, wenn ihre Eltern abhängig werden. So finden Sie ein gutes Zuhause Was bedeutet es, sich selbst zu versorgen? Ein Pflegeratgeber. mehr

Dieses Thema im Programm:

Markt | 17.01.2022 | 20:15 Uhr

NDR-Logo