Zentrumspartei – Meinung – SZ.de

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Das Motto ist immer noch das gleiche wie damals: „Für Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit“. Die Deutsche Zentrumspartei, die nach dem Wechsel eines zurückgetretenen AfD-Abgeordneten nun plötzlich wieder im Bundestag vertreten ist, bezieht sich auf die „Mitte“ aus der Zeit Bismarcks. Allerdings hat die Splitterpartei mit kleinen Hochburgen im katholischen Paderborn und im Münsterland mit dieser „Mitte“ wenig zu tun. Die Zentrumspartei wurde 1870 gegründet, um den politischen Katholizismus in Preußen bzw. dem von Protestanten dominierten Deutschen Reich zu vertreten. Sie positionierten sich zwischen der konservativen Rechten und der liberalen Linken. In der Ära Bismarck wurde die Partei scharf angegriffen: „Katholisch und Reichsfeind, Katholik und Unpatriotisch, Ultramontan und Vaterlandsfeindlich, Zentrumsanhänger und Gegner jeder Kulturbestrebung waren nach allgemeiner Meinung gleichwertige Begriffe.“ sagt eine zeitgenössische Quelle. In der Weimarer Republik stand das Zentrum fest auf der verfassungsrechtlichen Grundlage, stellte mehrere Reichskanzler und war bis 1932 in verschiedenen Koalitionen engagiert. Nach der Verabschiedung des Hitler-Ermächtigungsgesetzes 1933 löste sich die Partei auf, viele Mitglieder litten unter Verfolgung durch den NS-Staat . 1945 fand die große Mehrheit der Anhänger in der überkonfessionellen CDU eine Heimat, nur eine winzige Minderheit bestand auf der Neugründung.