Corona aktuell: Bundesweite Inzidenz sinkt auf 1438

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Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet rund 159.000 neue positive Tests innerhalb von 24 Stunden. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist zum dritten Mal in Folge auf 1438 von 1460 am Vortag gesunken. 243 Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. Damit steigt die Zahl der gemeldeten Todesfälle auf 120.220. Bisher sind in Deutschland mehr als 12,58 Millionen Corona-Tests positiv ausgefallen.

Die Zahlen sind jedoch nur bedingt aussagekräftig. Experten gehen von einer hohen Fallzahl aus, die in den RKI-Daten nicht erfasst sind. Testkapazitäten und Gesundheitsämter sind vielerorts am Limit, Kontakte werden nur eingeschränkt nachverfolgt. Deshalb zeigen wir im SZ-Corona-Dashboard einen Durchschnittswert aus den Meldungen der vergangenen sieben Tage, der Schwankungen von Tag zu Tag ausgleichen soll. Mehr Informationen dazu finden Sie im Transparenz-Blog, weitere Daten und Grafiken zur Pandemie hier. (15.02.2022)

Bund und Länder planen im März deutliche Erleichterungen

Unmittelbar vor der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz am 16. Februar zeichnen sich deutliche Lockerungen ab. Alle mahnen weiterhin zur Vorsicht und weisen darauf hin, wie wichtig es ist, medizinische Masken zu tragen. Doch die strengen Regeln sollen langsam fallen, in drei Schritten.

Gemäß dem Beschlussentwurf für die Sitzung, die die Süddeutsche Zeitung verfügbar ist, planen Bund und Länder, in einem ersten Schritt Familienzusammenkünfte für Genesene und Geimpfte zu ermöglichen. Bisher lag die Obergrenze bei zehn Personen, es soll auf 20 steigen, vielleicht sogar noch mehr Personen. Kinder bis 14 Jahre sind ohnehin von den Beschränkungen ausgenommen. Für Nicht-Geimpfte sollen die Beschränkungen allerdings bis zum 19. März bestehen bleiben, weil sie weiterhin besonders gefährdet sind und ihnen bei einer Ansteckung auch schwerere Verläufe drohen. Darüber hinaus sollten, sofern noch nicht geschehen, Beschränkungen für den Zugang zu Einzelhandelsgeschäften aufgehoben werden. Einkaufen dort soll dann wieder ohne Kontrollen möglich sein. Allerdings verbunden mit der Bitte, weiterhin medizinische Masken zu tragen.

In einem zweiten Schritt planen Bund und Länder den ungehinderten Zugang zur Gastronomie für Geimpfte, Genesene und aktuell negativ Getestete ab dem 4. März 2022. Ab dann Übernachtungen in Hotels soll auch nach der 3G-Regelung wieder möglich sein. Diskotheken und Clubs sollen für Genesene und Geimpfte mit täglichem Test möglich sein, hier soll also die 2-G-Plus-Regelung gelten. Die Planungen sehen zudem vor, dass nationale Großveranstaltungen, also auch Sportveranstaltungen und Bundesligaspiele nach der 2-G- bzw. 2-G-plus-Regelung, bis zu einer angestrebten Auslastung von 60 Prozent und maximal 25.000 Zuschauern wieder zugelassen werden sollen. Für Indoor-Veranstaltungen hingegen soll eine Auslastung von 40 Prozent gelten, maximal sind aber 4.000 Personen erlaubt.

Schließlich sollen in einem dritten Schritt alle „tiefgreifenden Schutzmaßnahmen“ ab dem 20. März entfallen. Dies soll fortan auch für die verpflichtenden Homeoffice-Regelungen gelten. Dennoch können Arbeitgeber mit ihren Arbeitnehmern eine Weiterführung vereinbaren.

Mit diesen Schritten ergeben sich erhebliche Vereinfachungen für das öffentliche Leben. Dennoch appellieren Bund und Länder in dem Papier an die Bevölkerung, weiterhin vorsichtig zu sein, niedrigschwellige Schutzmaßnahmen fortzusetzen und sich insgesamt „verantwortungsbewusst“ zu verhalten. (14.02.2022)

Die Debatte um Lockerungen nimmt Fahrt auf

Politiker verschiedener Parteien fordern seit Tagen Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Während es der FDP nicht schnell genug gehen kann, warnt Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vor einer zu schnellen Öffnung.

Bundesfinanzminister Christian Lindner etwa ist der Meinung, dass das Gesundheitssystem die omicron-Welle gut verkrafte und keine strukturelle Überlastung drohe. „Deshalb sind flächendeckende Eingriffe in unsere Freiheit nicht mehr verhältnismäßig“, sagt der FDP-Chef Handelsblatt. In den Bereichen Bildung, Handel, Gastronomie, Kultur, Sport und in den Unternehmen müsse man „einen spürbaren Schritt in Richtung Normalität“ machen. 2G-Regeln sollen „sofort aufgehoben“ und durch das Tragen von FFP2-Masken ersetzt werden. Kontaktbeschränkungen für Geimpfte und Genesene sollen entfallen. Für Menschen im Freien soll es keine Einschränkungen mehr geben.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert vor dem Bund-Länder-Treffen am Mittwoch eine schrittweise Ausstiegsstrategie aus den Corona-Beschränkungen. „Zunächst kann 2G im Einzelhandel bundesweit abgeschafft und in der Gastronomie von 2G plus auf 2G umgestellt werden. Außerdem sollen bundesweit mehr Zuschauer in Sport und Kultur zugelassen werden.“ Söder forderte ein Ende der Kontaktbeschränkungen – bisher maximal von zehn Personen dürfen privat zusammenkommen, solange alle geimpft oder genesen sind. Sobald eine ungeimpfte Person da ist, darf sich nur noch ein Haushalt mit zwei weiteren Personen treffen. Dann braucht es einen Zeitplan, „wie und wann man von 2G auf 3G umstellen können“. Die Öffnung von Clubs und Diskotheken soll später folgen. Gleichzeitig forderte er eine längerfristige gesetzliche Grundlage für Schutzmaßnahmen wie Maskenpflicht und Abstandsregeln sowie eine Notfallstrategie für mögliche neue Wellen.

Auch Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck (Grüne) fordert einen Stufenplan. Zunächst sollten jene Maßnahmen gelockert werden, die mit hohen volkswirtschaftlichen Kosten verbunden sind. Anstelle von 2G- und 2G-Plus-Regelungen könnte es eine bundesweite Verpflichtung zum Tragen von FFP2-Masken in Innenräumen geben. Auch die Besucherbegrenzungen bei Outdoor-Veranstaltungen könnten in einem ersten Schritt gelockert werden. An Orten wie Vereinen, wo viele Menschen ohne Abstand und Masken drinnen zusammenkommen, bleiben Test- und Impfnachweise notwendig. In einem zweiten Schritt sollten aus Sicht des Ministeriums die Homeoffice-Pflicht, die Testpflicht für Arbeitgeber und 3G-Pflichten am Arbeitsplatz diskutiert werden. Bei engen Kontakten kann eine FFP2-Maskenpflicht bestehen bleiben. In weiteren Schritten können Lockerungen von Teilnehmerbeschränkungen bei Veranstaltungen und Zutrittsbeschränkungen angegangen werden.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach warnte dagegen vor zu schnellen Lockerungen. Wenn Sie sich so sehr entspannen, dass die Fallzahlen deutlich steigen, verlängern Sie die Pandemie unnötig. Das ist weder gut für die Wirtschaft noch für die Gesundheit. Lauterbach warnte vor Öffnungsschritten wie in Israel. Dann würde es in Deutschland täglich 400 bis 500 Tote geben statt derzeit 100 bis 150.

Auch Wissenschaftler warnen. Mit Blick auf die diskutierten 2G-Regelungen, die in einigen Ländern bereits gekippt wurden, sagte der Epidemiologe Timo Ulrichs von der Akkon Universität für Humanwissenschaften in Berlin der Deutschen Presse-Agentur: „Generell wäre es riskant, die 2G-Regeln jetzt zu lockern, weil Wir können immer noch nicht abschätzen, wie sich dies auf die Ausbreitung von Omicrons und mit zeitlicher Verzögerung auf die Aufnahme von ungeimpften Infizierten und Erkrankten in Krankenhäusern auswirken würde.“ Darüber hinaus bleibt das Tragen von FFP2-Masken entscheidend, um die Ausbreitung von Omikrons zu verlangsamen, so Ulrichs. (14.02.2022)

Expertenrat: Lockerung unter bestimmten Bedingungen möglich

Der Sachverständigenrat der Bundesregierung geht davon aus, dass die Corona-Maßnahmen in den kommenden Wochen möglicherweise gelockert werden, warnt aber vor einer vorzeitigen Rücknahme. „Eine zu frühe Öffnung birgt die Gefahr einer erneuten Erhöhung der Krankheitslast“, heißt es in dem am Sonntagabend veröffentlichten sechsten Gutachten des Expertengremiums. „Aufgrund der Untervariante BA.2 muss mit einer gegenüber aktuellen Schätzungen für BA.1 längeren bzw. wieder ansteigenden Omicron-Welle gerechnet werden.“ Dennoch kam der Expertenrat einstimmig zu dem Schluss, dass „trotz einiger Unsicherheiten (…) eine behutsame Rücknahme einzelner Infektionsschutzmaßnahmen in den kommenden Wochen möglich sein wird“.

Voraussetzungen für eine dauerhafte Rücknahme aller staatlich verordneten Infektionsschutzmaßnahmen seien das Erreichen „einer hohen Impfquote und gleichzeitig das eigenverantwortliche Handeln der Bürgerinnen und Bürger“. Das von der Bundesregierung gesetzte Impfziel von 80 Prozent der Bevölkerung ist noch nicht erreicht.

Der Expertenrat weist auf die Wirksamkeit des Schutzes durch Masken hin. „Die Möglichkeit der Anwendung der Maskenpflicht, insbesondere im öffentlichen Raum, soll grundsätzlich erhalten bleiben“, heißt es. Sie kann „vorübergehend“ aufgehoben werden, wenn die Zahl der Infektionen ausreichend niedrig ist. Der Expertenrat weist darauf hin, dass im Rahmen etwaiger Öffnungsschritte ungeimpfte und von einem schweren Krankheitsverlauf bedrohte ältere Menschen verstärkt in das Infektionsgeschehen einbezogen werden.

Am Mittwoch beraten die Regierungschefs von Bund und Ländern erneut über den weiteren Corona-Verlauf. Am Freitag versprach Bundeskanzler Olaf Scholz erste Öffnungsschritte, die auch von einigen Ministerpräsidenten gefordert werden. (13.02.2022)

Das RKI rechnet fest mit einer neuen Infektionswelle im Herbst

Das Robert-Koch-Institut rechnet im Herbst mit einer neuen Corona-Welle. Das geht aus einer internen Lagebeurteilung hervor Süddeutsche Zeitung vorliegt und die vergangene Woche im Corona-Krisenstab der Bundesregierung unter der Leitung von Generalmajor Carsten Breuer diskutiert wurde. Der Endemit ist noch nicht erreicht, man befinde sich nach Einschätzung der RKI-Experten in einer Übergangsphase. Diejenigen, die nicht geimpft und nicht genesen waren, würden sich mit der Öffnung der Gesellschaft allmählich infizieren. Die Belastung der Intensivstationen wird in zukünftigen Wellen vom Anteil der Immunnaiven über 50, der Virulenz und Übertragbarkeit der zirkulierenden Variante, dem Schließen von Impflücken, der Verfügbarkeit und Wirksamkeit antiviraler Therapien und dem Verhalten der Bevölkerung abhängen . (13.02.2022)