Das müssen Sie über den Ablauf des Jahres wissen

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Das müssen Sie über den Ablauf des Jahres wissen

Erschreckende Taten, große mediale Aufmerksamkeit, viel Erfahrung auf der Bank und eine Premiere: Wenn am 23. Februar der Prozess gegen den mutmaßlichen Dreifachmörder Hartmut F. eröffnet wird, richten sich die Augen bundesweit auf Kiel.

Am 19. Mai 2021 soll Hartmut F. in Dänischenhagen drei Personen, seine getrennt lebende Frau und einen Drachenlehrer sowie einen 52-jährigen Bekannten in Kiel heimtückisch erschossen haben. Laut Staatsanwaltschaft folgte Hartmut F. seiner Frau zum Haus des Drachenlehrers in Dänischenhagen und erschoss sie beide mit knapp 50 Schüssen aus einer Uzi-Maschinenpistole. Er soll das Kieler Opfer mit einer Pistole ermordet haben.

Elf Tage hat die 8. Strafkammer des Landgerichts Kiel für das Verfahren angesetzt. 30 Zeugen, Gerichtsmediziner und ein Sachverständiger sollen vernommen werden. Das Urteil ist für den 30. März geplant.

Hartmut F. hat zwei namhafte Anwälte an seiner Seite

Hartmut F. hat seine Verteidigung namhaften Anwälten anvertraut: Strafverteidigerin Lena Alpay-Esch aus Lübeck und Fachanwalt für Strafrecht Abdou Gabbar aus Köln. Alpay-Esch ist Vorsitzender des Schleswig-Holsteinischen Strafverteidigervereins. Gabbar ist seit Jahren bundesweit als Strafverteidiger tätig. Zuletzt verteidigte er in Köln einen 35-Jährigen, dem vorgeworfen wurde, seine Geliebte erschossen zu haben. Der Kölner Rechtsanwalt ist auch im Kunststrafrecht tätig, befasst sich mit Kunstraub und Kunstbetrug.

Richter Jörg Brommann ist seit 1999 Vorsitzender der 8. Strafkammer in Kiel

Die sieben Nebenkläger werden von Rechtsanwälten aus Kiel und Hamburg vertreten. Der Kieler Rechtsanwalt Urs-Erdmann Pause vertritt in dem Prozess die Angehörigen des 52-jährigen männlichen Opfers aus Dänischenhagen. Sein Bürokollege Jan Kürschner sitzt für die Angehörigen des 52-jährigen Elektrikers aus Kiel im Gerichtssaal. Die Familie der getöteten Ehefrau von Hartmut F. wird vom Hamburger Rechtsanwalt Thomas Ehling vertreten.

Ein sehr erfahrener Mann wird das Verfahren in Kiel leiten. Richter Jörg Brommann ist seit 1999 Vorsitzender der Strafkammer und war in der Vergangenheit auch Sprecher des Landgerichts Kiel. Im vergangenen Jahr führte Brommann einen weiteren Prozess durch, der bundesweit Aufsehen erregte. Ein 41-Jähriger aus Rendsburg war wegen Mordes an zwei Prostituierten beim Landgericht Kiel angeklagt worden. Das Urteil: lebenslange Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Brommann und seine Kollegen hatten die besondere Schwere der Schuld der Rendsburger festgestellt. Ein Schuldspruch, mit dem auch Hartmut F. rechnen konnte.

Zusätzlicher Schöffe im Prozess gegen Hartmut F.

Auch in diesem Fall wird die Begutachtung des Angeklagten durch einen psychiatrischen Sachverständigen in die Beurteilung des Gerichts einbezogen. Im Prozess gegen Hartmut F. ist Dr. Thomas Bachmann, Facharzt für Psychiatrie, aus Lübeck, der als Sachverständiger am Landgericht Kiel bereits viele Prozesse begleitet hat.

Neben dem Vorsitzenden Brommann finden die Richter Alf Jöhnk und Dr. Lisa Lindorf als Beisitzer statt. Seit 2017 bildet das Trio die 8. Große Verhandlungskammer. Eine Hauptverhandlung der Kammer wird in der Regel durch zwei Schöffen ergänzt. Nach Angaben des Landgerichts ordnete der Vorsitzende Richter des Prozesses Dänischenhagen jedoch die Hinzuziehung eines ergänzenden Schöffen an. Dieser soll an der Hauptverhandlung teilnehmen, aber nur dann an Entscheidungen mitwirken, wenn ein anderer Schöffe versagt.

Premiere für den neuen Gerichtssaal des Landgerichts Kiel

Eine bestimmte Auswahl von Richtern für ein besonderes Verfahren ist gesetzlich nicht zulässig. „Noch vor Jahresbeginn wird festgelegt, welche Schöffen an den an bestimmten Tagen beginnenden Verhandlungen teilnehmen werden“, erklärt Markus Richter, Sprecher des Landgerichts Kiel.

Trotz der Erfahrung auf der Richterbank wird das Verfahren auch für die Kammer eine Premiere sein. Grund dafür ist der Tagungsraum am Niemannsweg, nur einen Katzensprung von der Kieler Förde entfernt. Die dort ursprünglich für einen weiteren großen Prozess errichtete Leichtbauhalle wird am 23. Februar erstmals Schauplatz eines Gerichtsverfahrens.

Der Zuschauerraum beim Prozess gegen Hartmut F. in Kiel fasst 23 Sitzplätze

Mit dem Umzug in den Niemannsweg will das Landgericht dem breiten öffentlichen Interesse an dem Verfahren gegen Hartmut F. Rechnung tragen. Es erhofft sich von diesem Standort mehr Kapazitäten für Medienvertreter und Zuschauer als im Schwurgerichtssaal im Landgericht Kiel. Die Zuschauer sollen in einem separaten Raum hinter einer Glasscheibe Platz nehmen. Die in großzügigem Abstand aufgestellten Stühle lassen dort 23 Prozessbeobachter zu. Die meisten der elf Verhandlungstage sollen um 9 Uhr beginnen. Der Zugang wird etwa eine halbe Stunde vor Beginn der Anhörung gewährt. Für den Einlass gelten die 2G-plus-Regelungen, im Zuschauerraum gilt Maskenpflicht.

Ein hessischer Fachbetrieb hat den Bau der Leichtbauhalle mit Zeltdach in knapp drei Wochen abgeschlossen. Hier werden mehrere große Verfahren geführt. Der Staat zahlt 86.000 Euro pro Monat für den Bau. Die Halle ist durch einen 2,50 Meter hohen Zaun mit etwa 60 Zentimeter hohen Stacheldrahtrollen und Videokameras gesichert.

Auch im Inneren ist für Sicherheit gesorgt. Das Gebäude beherbergt insgesamt sechs Zellen in Form von Containern. In einem davon wird Hartmut F. während der Verhandlungspausen untergebracht. Vor und nach den Prozesstagen sitzt der 48-Jährige in einer schleswig-holsteinischen Justizvollzugsanstalt. Aus welchem ​​Gefängnis er in Richtung Kieler Niemannsweg transportiert wurde, teilte das Landgericht nicht mit.

Vor seiner Versetzung zur JVA Waldeck in Mecklenburg-Vorpommern im Herbst vergangenen Jahres saß Hartmut F. bei der JVA Lübeck in Untersuchungshaft. Warum dort? Der 48-Jährige war jahrelang sowohl in der Justizvollzugsanstalt Kiel als auch in der Anstalt Neumünster als Zahnärztin tätig. Ob er als Häftling ins Gefängnis zurückkehren wird, wird der Prozessverlauf zeigen. Fest steht: Die Öffentlichkeit verfolgt die Entscheidung des Gerichts in Kiel.