Experimentell und ästhetisch: Uraufführung des Filmprojekts „Eremiten“ mit dem Ballett Pforzheim – Kultur

Startseite » Experimentell und ästhetisch: Uraufführung des Filmprojekts „Eremiten“ mit dem Ballett Pforzheim – Kultur

Pforzheim. Ballett und Film ergänzen sich gut und sind für das Publikum sehr attraktiv. Für die Weltpremiere des Tanzfilms „Eremiten“, der aus dem Ballett „Brahms – Glaube, Liebe, Hoffnung“ entwickelt wurde, waren die coronabedingt nur 54 verfügbaren Plätze im städtischen Kino komplett ausverkauft. Für diesen Dienstag ist daher eine weitere Aufführung geplant. Der Film wurde in der seit acht Jahren bestehenden Reihe „Theater Treff Kino“ gezeigt. In der Choreographie von Guido Markowitz wurde bereits viel über das Projekt „Brahms“ geschrieben, und die Online-Premiere und ein Online-Stream zur Produktion waren im vergangenen Jahr zu sehen. Live war das Ballett wegen der Corona nur bei seiner Uraufführung in Österreich und in Gastspielen zu sehen – Ballettdirektor Markowitz hofft, dass es im März endlich in Pforzheim auf die Bühne kommen kann.

Das Ballettensemble nutzte die Corona-Pause äußerst kreativ: Tanzdramaturgin Alexandra Karabelas entwickelte die Idee zu einem Filmprojekt, das im Rahmen des staatlich geförderten „Digital Dance Lab“ des Balletttheaters Pforzheim umgesetzt wurde. Es war ein Glücksfall, dass der Tänzer Mirko Ingrao, der in „Brahms“ den „Mann“ verkörpert, Visual Design studierte und die Regie übernehmen konnte. Ein Filmausschnitt aus der Bühnenaufführung leitet zunächst das Ballett ein, zu dem das Bibelzitat „Aber jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die Größte von ihnen “(1 Kor 13, 1ff). Es zeigt die Entwicklung von drei Charakteren, die durch ein Dickicht emotionaler Verstrickungen wandeln. Ihre hochemotionale Selbsterfahrungsstruktur wird auf der menschlichen Ebene (Ensemble) reflektiert und kommentiert. Die Handlung wird entlang der Symphonie Nr. 1 in c-Moll op. 2 gesponnen. 68 von Johannes Brahms und wird in der Tanzinterpretation erklärt.

Ballettdramaturgin Alexandra Karabelas (links), Tänzerin / Regisseurin Mirko Ingrao (vorne) und Ballettdirektor Guido Markowitz im kommunalen Kino. Foto: Volz

Für das Filmprojekt „Eremiten“ wurde diese Handlungsstruktur in den einzelnen Persönlichkeiten des Ballettensembles aufgebrochen, das voll und ganz funktionierte und mitwirkte. Der Titel bezieht sich auf den griechischen Begriff für „Wüstenbewohner“. Wüste kann für unbelebte Orte jeglicher Art stehen. Die Tänzer hatten nun die Aufgabe, ihre eigene Wüste zu finden und formulierten die mit ihren jeweiligen Tanzfiguren verbundenen Assoziationen und Emotionen zunächst in poetischen Statements, die sie dann tänzerisch umsetzten.

Einblicke in die Seele der Tänzer

Das Ergebnis ist ein experimenteller und ästhetischer Film, in dem die Tänzer sehr intime Einblicke in ihre Seele gewähren. Man sieht zum Beispiel ein traumatisches Feuererlebnis, das sichtbare Narben hinterlassen hat und sich im Zusammenhang mit der Liebe in brennende Eifersucht verwandelt.

Das sinnliche Erleben des Körpers spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle wie die Verbindung und Verschmelzung mit der Natur und die Sehnsucht nach Liebe. Alle finden schließlich ihre eigene Last in einem Stein verkörpert, den sie dem Menschsein hinzufügen.

Weitere Vorstellungen im Städtischen Kino am Dienstag, 1. Januar, 19 Uhr und ab sofort sechs Wochen lang täglich im Schmuckmuseum im Reuchlinhaus (Untergeschoss).

760_0900_134103_Koki_Theater_Kooperation_01.jpg

Kultur

„Theater Treff Kino“ mit spannendem Programm für die laufende Saison