Gesundheit: Lob und Kritik für neue Corona-Beschlüsse – Inland

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Die Befreiung von der Quarantäne für frisch geimpfte oder genesene Kontaktpersonen sei „medizinisch bedenklich“, sagte die Vorsitzende des Marburger Bundes, Susanne Johna, im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Eine Person, die sich von der Delta-Variante erholt hat, ist gegen die Omicron-Variante nicht immun. „Deshalb muss auch für frisch geimpfte und genesene Personen eine Quarantäne gelten, wenn es zu engem Kontakt im häuslichen Umfeld kommt“, forderte Johna.

Für Corona-Infizierte und Kontaktpersonen soll es künftig einfachere Isolations- und Quarantäneregeln geben. Demnach werden Kontaktpersonen künftig von der Quarantäne ausgenommen, wenn sie eine Auffrischimpfung haben, also aufgefrischt werden. Die neue Ausnahme von der Quarantäne gilt auch für Personen, die zweimal neu geimpft wurden oder kürzlich genesen sind – also Kontaktpersonen, deren Krankheit oder Impfung weniger als drei Monate zurückliegt.

Gemischte Reaktionen

Lob kam dagegen von den Kommunen. Die Verkürzung der Quarantäne- und Isolationszeiten sei sinnvoll, sagte Kreistagspräsident Reinhard Sager der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Dies schafft eine gute Balance zwischen der Eindämmung des Virus und der Sicherung wichtiger Bereiche der Infrastruktur. Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund bewertete die Beschlüsse grundsätzlich positiv, jedoch ohne Perspektive. „Leider haben Bund und Länder die Gelegenheit nicht genutzt, den Menschen – wenn auch mit Vorbehalten – klare Zukunftsperspektiven aufzuzeigen“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der „Rheinischen Post“.

Der Verzicht auf eine Quarantäne bei Kontakten mit Auffrischimpfungen ist nicht unumstritten. Der Epidemiologe Hajo Zeeb hatte der Deutschen Presse-Agentur im Vorfeld der Bundes-Länder-Beschlüsse gesagt, frisch aufgeimpfte Menschen hätten zwar einen gewissen Schutz vor der Omikron-Infektion, der jedenfalls besser sei als doppelt geimpfte. Der Experte vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen wies jedoch darauf hin: „Ein kompletter Verzicht auf Quarantäne für bereits verstärkte enge Kontakte birgt sicherlich ein gewisses Risiko, Übertragungsketten aufrechtzuerhalten.“ Es ist bekannt, dass das Risiko schwerer Verläufe bei Aufgeimpften und auch Doppelgeimpften gering ist. Dennoch seien seiner Ansicht nach auch fünf Tage Mindestquarantäne für die Aufsteiger sicherer.

Der Patientenanwalt Eugen Brysch sieht in den Quarantäne-Entscheidungen eine riskante Regelungslücke. Richtig ist, dass infizierte Mitarbeiter in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern nur mit negativem PCR-Test vorzeitig aus der Isolation entlassen werden sollten. „Es ist jedoch unverantwortlich, dass die 360.000 Mitarbeiter der ambulanten Pflegedienste von dieser Regelung ausgenommen wurden“, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz in den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Dadurch sind eine Million pflegebedürftige Menschen zu Hause stark gefährdet.“

Unterschiede in den Bundesländern

Wann die neuen Regeln zu Quarantäne und Isolation gelten, ist derzeit noch unklar. Bund und Länder würden die notwendigen Änderungen der gesetzlichen Regelungen „zeitnah“ vornehmen, heißt es in dem Beschluss. „Aus meiner Sicht wäre es notwendig, so bald wie möglich Sondersitzungen von Bundesrat und Bundestag abzuhalten“, sagte Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold der Deutschen Presse-Agentur. Der Bundesrat tagt am Freitag nächster Woche.

Bei den verschärften Regeln für die Gastronomie gehen nicht alle Bundesländer den gleichen Weg. Auf der Konferenz wurde eine 2G-plus-Regelung für Restaurants, Cafés und Kneipen beschlossen. Das bedeutet, dass nur diejenigen Zutritt haben sollten, die aufgefrischt oder zweimal mit einem täglichen Test geimpft wurden. Dies gilt bereits in einigen Bundesländern. Sachsen-Anhalt hat bereits angekündigt, diese Regelung nicht umzusetzen, Bayern will die Pläne noch prüfen.

Teilweise scharfe Kritik

Kritik kam aus der Branche: „Die Politik sieht uns mit 2G Plus als Teil der Lösung, die Booster-Kampagne zu beschleunigen. Gleichzeitig werden wir als Problemfeld bezeichnet, das ist inakzeptabel“, sagte die Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Ingrid Hartges, der „Bild“. Sie erwarten mehr Wertschätzung und Respekt für die Branche. Die Gewerkschaft Ernährung, Genuss und Gastronomie (NGG) begrüßte die verschärften Corona-Regeln für die Gastronomie, forderte aber für Beschäftigte ein Mindest-Kurzarbeitergeld von 1200 Euro monatlich.

Für das Wochenende sind in verschiedenen Städten in Deutschland wieder Proteste gegen die Corona-Maßnahmen geplant. In Düsseldorf kündigten Gegner der Impfpflicht einen Zug mit mehreren Tausend Menschen durch die Stadt an. In Hamburg werden 11.000 Demonstranten erwartet, auch in Frankfurt und Freiburg soll es große Proteste geben.

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