Landwirtschaft und Umwelt: Wie sieht die Zukunft für Landwirte aus? – Wissen

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Waren Sie schon einmal auf der „Grünen Woche“? Dann kennen Sie diese seltsame Mischung aus Blumenhallen, Viehboxen, Traktoren und Lebensmittelgeschäften aus aller Welt. Normalerweise würden an diesem Wochenende wieder Tausende Berliner durch die Messehallen drängen. Sie würden sich geduldig anstellen, um hier und da etwas zu probieren, mit allerlei Folklore rundherum. Aber natürlich wird es dieses Jahr wieder keine Grüne Woche geben. Und richtig „grün“ war es sowieso nie. Was die Landwirtschaft angeht, war sie eigentlich schon immer ziemlich konventionell.

Insofern bedauere ich, dass sie ausgerechnet in diesem Jahr ausfällt. Ein Hauch von Aufbruch geht durchs Land, was nicht nur daran liegt, dass Landwirtschafts- und Umweltministerien in Berlin ab sofort mit einer „strategischen Allianz“ an einem Strang ziehen wollen. Der Bauernverband fördert die vegane Ernährung und sucht den Schulterschluss mit dem Naturschutzring. Die Dinge kommen in Bewegung.

Es war höchste Zeit, dass dieser Graben geschlossen wurde. Niemand lebt so sehr von und mit der Natur wie die Landwirtschaft, daher sägt sie sich seit Jahrzehnten mit ihrer gängigen Praxis ihren eigenen Ast. Es war klar, dass dies nicht ewig so weitergehen konnte, mit übermäßiger Düngung, überfüllten Ställen und Pflanzenschutz mit unerwünschten Nebenwirkungen. Beginnt also endlich die Wende?

Es sollte selbstverständlich sein, Landwirte für Umweltleistungen zu bezahlen

Um das herauszufinden, wäre ich gerne zur Grünen Woche gepilgert – wie jedes Jahr. Es ist immer ein Gute-Laune-Barometer. Leider stehen trotz aller Umwälzungen viele Landwirte mit dem Rücken zur Wand. Gegenüber Verarbeitern und dem Lebensmittelhandel sehen sie sich nahezu machtlos, entsprechend mager sind die Erträge. Viele haben in regelkonforme Ställe investiert, die nun aus gutem Grund keine Zukunft mehr haben sollen. Niedrige Zinsen lassen die Grundstückspreise in die Höhe schnellen und mit ihnen die Mieten. Der Klimawandel fordert immer mehr Tribut, zuletzt durch Dürren.

Landwirte haben eigentlich einen Traumberuf. Aber niemand will im Moment mit ihnen handeln.

Sie werden diese Änderung nicht alleine vornehmen. Klimaschutz, Artenvielfalt auf Feldern und Wiesen, weniger Pestizide und Düngemittel, Vernässung der Moore – all das bedeutet auch Ertragseinbußen. Aber das sind Dienstleistungen, die Landwirte für alle erbringen. Es sollte selbstverständlich sein, sie dafür zu belohnen – statt die schiere Größe der Betriebe mit Flächenprämien zu verkaufen.

Leider wird diese Debatte nicht auf der Grünen Woche geführt werden können, obwohl es erst jetzt spannend wird. Denn der Umbau ist nur finanzierbar, wenn Steuerzahler oder Verbraucher dafür zahlen. Sie fordert eine andere Form der Agrarförderung, die auch innerhalb der Landwirtschaft Mittel umverteilt. Und natürlich müssen die Verbraucher mehr über die Herkunft der Produkte wissen – und entsprechend kaufen.

Das wird auch einige der neuen Allianzen auf die Probe stellen. Aber eigentlich verhält es sich in der Landwirtschaft wie bei allen Umstrukturierungen dieser Zeit, sei es in der Mobilität, der Energieversorgung oder in der Industrie: Die Zeit ist reif dafür.

(Dieser Text stammt aus der wöchentlichen Newsletter Klima Freitag du hier kostenlos kann bestellen.)