Migrant aus Norddeutschland: Kabarettist Jakob Friedrich erstmals im Kulturhaus Osterfeld – Kultur

Startseite » Migrant aus Norddeutschland: Kabarettist Jakob Friedrich erstmals im Kulturhaus Osterfeld – Kultur

Pforzheim. Ein weiterer schwäbischer Nachwuchskomiker und Kabarettist: Jakob Friedrich (37) aus Besigheim debütierte am Donnerstagabend im Osterfelder Studio. Knapp 40 Zuschauer verfolgten seine Solosendung „Ich kann mehr wie du!“. Auf der Bühne gibt Friedrich den bodenständigen Schlosser oder Elektrobauer im Overall. Seine Eltern sind aus Bremen hierher gezogen – oder, wie er es nennt, „Migranten“ aus Norddeutschland. Dieser Hintergrund erlaubt es Friedrich natürlich, die schwäbische Lebensweise mit der Bremer Mentalität weitsichtig zu vergleichen.

Auf die deftige Aussage „Ich kann mehr als du!“ lässt er einen Bremer kühl erwidern: „Warum machst du das?“. Tatsächlich lebt seine Leistung von einer hervorragenden Beobachtungsgabe. Gekonnt zeichnet er seinen hemdsärmeligen Kollegen Volker, den Nachbarn Jürgen, seine Kollegin Oxana und einen Azubi inklusive Ghetto-Jargon. Natürlich auch der Chef, der immer wieder auf das „Hirnwachs“ anspricht. Und Friedrich denkt viel nach – „beim Gestalten“. Zum Beispiel über Sinn und Notwendigkeit eines Grundeinkommens, über „unehrliches Verhalten“ bei Bewerbungen. Dem Sprichwort „Geht nicht, gibt es nicht“ begegnet er: „Ja, das tut es. Das existiert!“

„Die Würde der Menschen, die bei der Arbeit nicht schwitzen, ist unantastbar“, legt er Landesvater Kretschmann in den Mund. Kurz vor der Pause wird Friedrich etwas kabarettistischer: „Die CDU versteht sich als innovativ und konservativ – das ist wie frisches Dosengemüse oder Vollgas“. Die zweite Hälfte des Programms beginnt vor merklich ausgedünntem Publikum. Friedrich glaubt, den Grund zu kennen und beruhigt: „Wenn es noch CDU-Wähler gibt, ist es völlig ok, CDU zu wählen.“

Wirklich befreiendes Lachen ist an diesem Abend eher selten – die allseits ehrenhafte Werbung für das Grundeinkommen geht ihm einfach zu lange; das Erzähltempo ist meist zu gemächlich. Mit dem aktuellen Programm läuft Friedrich Gefahr, in der Öffentlichkeit zwar als das von ihm beschriebene „Kässpätzle in Bremen“ wahrgenommen zu werden, aber sicher nicht als beworbener „schwäbischer Überflieger“.