RKI: Corona-Zahlen nur eine Schätzung – nächster Blindflug – Gesundheit

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Wie ist der wirkliche Stand der Corona-Zahlen? Das RKI weiß es nicht mehr genau!

Das geht von der Strömung aus Corona-Wochenbericht des Instituts. Dort heißt es: „Die maximale Amplitude der Omicron-Welle kann im Meldesystem wohl nicht genau beziffert werden.“

Das bedeutet im Klartext, dass die offiziellen Infektionszahlen nur Schätzungen sind, das RKI fliegt wieder einmal im Blindflug. Unter anderem ein Grund: überlastete Testlabore.

RKI sagt, Zahlen seien „weiterhin von großer Bedeutung“.

Das RKI gibt nun auch eine Inzidenzschätzung heraus, wie viele Menschen an Corona-Symptomen leiden. In dem Bericht heißt es: „Darüber hinaus kann der Anteil symptomatischer COVID-19-Patienten mit Arztbesuchen, stationär und intensivmedizinisch behandelten Patienten wegen akuter Atemwegserkrankungen sowie die Inzidenz symptomatischer COVID-19-Fälle in Deutschland abgeschätzt werden.“

So wird nun für die zweite Woche des Jahres 2022 geschätzt, „dass etwa 0,4 bis 1,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen bis 14 Jahre und 0,5 bis 1,1 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren an Covid-19 mit Symptomen von Covid-19 erkrankt sind eine akute Atemwegserkrankung“.

Diese geschätzten Zahlen sind laut RKI „noch von großer Bedeutung für das Management und Entscheidungen über Vor-Ort-Maßnahmen während der omicron-Welle“. Sie würden „insgesamt auch bei sehr hohen Inzidenzen in der Bevölkerung eine gute Einschätzung der aktuellen Seuchenlage in Deutschland“ ermöglichen.

Statistiker: „RKI-Daten werden immer ungenauer“

Fakt ist aber auch: Bei Omikron ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (58, SPD) schätzte beispielsweise, dass „die aktuelle Dunkelziffer um den Faktor 2 liegen dürfte“ (BILD berichtet).

Und wenn selbst die offiziellen Zahlen nur eine Schätzung sind, wird es umso schwieriger, die Dunkelziffer einzuschätzen.

Statistiker Christian Hesse zu BILD: „Die Dunkelziffer der Neuinfektionen wird auch dadurch erhöht, dass in vielen Laboren die Belastungsgrenze für die erhebliche Zahl der angeforderten PCR-Testauswertungen überschritten wurde und sie daher teilweise Schätzwerte übermitteln das RKI, das die RKI-Daten zunehmend ungenau in Richtung Unterberichterstattung über den wahren Anstieg der Omicron-Welle macht.“

Weiter: „Die Kraft der Welle macht es praktisch unmöglich, sie durch Daten genau zu erfassen.“

Fehlender PCR-Test führt zu falschen Zahlen

Grund für die vagen Zahlen sind unter anderem überlastete Testlabore. Ein Corona-Fall wird nur dann als bestätigt in die Statistik aufgenommen, wenn ein positiver PCR-Test vorliegt. Mit fast zwei Millionen Tests allein in der vergangenen Woche ist die Zahl der Tests auf einem Allzeithoch. Gesundheitsminister Lauterbach plant laut einem Gesetzentwurf bereits, PCR-Tests für Beschäftigte in Kliniken und Pflegeheimen zu priorisieren (BILD berichtete).

Statistiker Hessen: „Es sollte überlegt werden, die immer fehleranfälligeren Bemühungen zur Erfassung jedes einzelnen Infektionsfalls durch ein Stichprobensystem zu ersetzen, bei dem aus den Daten repräsentativ ausgewählter Ärzte, Kliniken und Gesundheitsämter Hochrechnungen vorgenommen werden, die dann genauere Angaben machen Schätzungen der tatsächlichen Infektionsgeschehen stellen sich dar. Ähnlich wie es bei der Grippe schon gemacht wird.“