Vorteile und Risiken der Legalisierung von Cannabis | Wissen & Umwelt | DW

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Haschisch, Gras, Marihuana, Unkraut, Hanf – Cannabis hat viele verschiedene Namen und doch geht es immer um die Pflanze, die ursprünglich aus Zentralasien stammt und deren Wirkung seit Jahrtausenden bekannt ist – als Nutzpflanze zur Herstellung von Seilen und Textilien, vor allem aber als Rauschmittel und Medizin.

Cannabis ist nach Alkohol und vor Tabak die am zweithäufigsten konsumierte Droge der Welt nicht repräsentativer Global Drug Survey 2021. Am häufigsten konsumieren Jugendliche und junge Erwachsene Cannabis.

Cannabis wird ohnehin konsumiert, Kontrollen und Verbote konnten dies nicht verhindern. Cannabis, das einst als gefährliche Einstiegsdroge galt, hat in letzter Zeit eine wachsende öffentliche Akzeptanz erfahren. Cannabiskonsum wird in immer mehr Ländern legal. Vielleicht bald auch in Deutschland.

Besserer Sex und Schutz vor COVID-19

Ist Cannabis die gefährliche Einstiegsdroge oder ein Allheilmittel? In den vergangenen Monaten sind unzählige Studien erschienen, die die großen Risiken oder den großen Nutzen der Hanfpflanze aufzeigen sollen.

Habe gerade einen vorgestellt Das besagt eine spanische Studie von Forschern der Universität Almeria dass Marihuana-Konsumenten eine verbesserte sexuelle Funktion und bessere Orgasmen haben. „Diese Verbesserung ist typischerweise mit einer Verringerung von Angst und Scham verbunden, was sexuelle Beziehungen einfacher macht“, heißt es in der Studie. Wer durch Alkohol- oder Cannabiskonsum enthemmt ist, hat besseren Sex.

Und letzte Woche schlugen US-Forscher der Oregon State University Cannabinoide zur Vorbeugung und Behandlung von COVID-19 vor, weil sie das Eindringen des Virus in die Zelle blockieren und so vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen.

deine Studie hat gezeigt Sie schrieben im Fachblatt „Journal of Natural Products“, dass die Säuren CBGA (Cannabigerolsäure) und CBDA (Cannabidiolsäure) das Spike-Protein binden und den Eintritt von SARS-CoV-2 in die Zellen verhindern. Im Gegensatz zum bekannten Tetrahydrocanabinol (THC) in Cannabis sind CBGA und CBDA nicht psychoaktiv.

Cannabis wird ohnehin konsumiert, Kontrollen und Verbote konnten dies nicht verhindern

Allerdings führten die Forscher die Experimente nicht am Menschen, sondern an Zellkulturen im Labor durch. Und bisher wurde nur mit den Alpha- und Beta-Varianten des Coronavirus gearbeitet, aber die Forscher sind optimistisch, dass die Cannabinoide auch gegen andere Varianten wirksam sind.

Dennoch würden Cannabinoide allein im Kampf gegen Corona keinen Sinn machen. Neben der Impfung könnten sie sich aber als bewährtes Hilfsmittel erweisen. Auf keinen Fall sollten Sie so viel Cannabis wie möglich konsumieren, um sich vor COVID-19 zu schützen.

Cannabis verursacht langanhaltende Konzentrationsprobleme

Das psychoaktive THC sorgt also für besseren Sex und die Cannabissäuren schützen vor COVID-19 – na, wenn das mal keine überzeugenden Argumente für die Wunderpflanze sind!

Ganz so einfach ist das nicht, denn Cannabiskonsum kann auch zu langfristigen kognitiven Beeinträchtigungen führen, insbesondere bei jungen Menschen, deren Gehirn sich noch in der Entwicklung befindet.

Das zeigte erst kürzlich wieder eine neue Auswertung von zehn Metastudien unter kanadischer Leitung, die im Fachblatt „Addiction“ erschienen ist.

das Das ergab die Auswertung der Daten von 43.000 Teilnehmern dass eine Cannabisvergiftung (Cannabisvergiftung) zu leichten bis mittelschweren kognitiven Beeinträchtigungen führen kann, z. Diese Beeinträchtigungen können auch über die Dauer der Intoxikation hinaus andauern.

„Cannabiskonsum bei Jugendlichen kann zu einem geringeren Bildungsniveau und bei Erwachsenen zu schlechter Arbeitsleistung und gefährlichem Fahren führen. Diese Folgen können für regelmäßige und starke Konsumenten schlimmer sein“, sagte Co-Autor der Studie, Dr. Alexandre Dumais, außerordentlicher klinischer Professor für Psychiatrie an der Université de Montréal.

Zwar schneiden Erwachsene, die als Jugendliche viel Cannabis konsumiert haben, bei Intelligenztests im Durchschnitt schlechter ab und haben tendenziell weniger Erfolg in Schule oder Studium. Ein direkter Zusammenhang konnte jedoch noch nicht nachgewiesen werden. Es bleibt umstritten, ob der Cannabiskonsum von Erwachsenen langfristige Folgen haben kann.

Junge Gehirne besonders gefährdet

Andererseits ist unbestritten, dass Cannabiskonsum vor allem junge Gehirne schädigen kann, denn das Frontalhirn ist erst mit Mitte 20 voll ausgereift.

Der verbleibende Schaden kann dadurch verursacht werden, dass die Großhirnrinde junger Cannabiskonsumenten in bestimmten Bereichen deutlich dünner ist als in der Vergleichsgruppe, das zeigten Hirnscans von 800 Jugendlichen, veröffentlicht in einer Studie im vergangenen Juni.

Besonders betroffen war der präfrontale Cortex, also die Gehirnregion, in der Impulse gesteuert, Probleme gelöst und Handlungen geplant werden. Laut der Studie waren Teenager mit auffälligen Gehirnscans impulsiver und fanden es schwieriger, sich zu konzentrieren als andere Teenager. Und je mehr Cannabis die Teenager konsumierten, desto schwerwiegender waren die Folgen.

Erhöhtes Psychoserisiko

Intensiver Cannabiskonsum kann insbesondere bei Jugendlichen Psychosen auslösen. Diejenigen, die täglich Gras rauchen, haben dreimal häufiger psychotische Schübe als Menschen, die noch nie Cannabis konsumiert haben, zeigte eine europaweite Studie im Jahr 2020. Forscher der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm beobachteten den Zeitraum zwischen 2011 und 2019 sogar eine Verachtfachung der Psychosen, was sie auch auf den deutlich erhöhten THC-Gehalt in vielen Joints zurückführten.

Denn der berauschende THC-Gehalt in Cannabis hat in Europa zugenommen zwischen 2006 und 2016 von acht auf 17 Prozent verdoppelt, zeigte eine britische Studie.

Tatsächlich wird die berauschende THC-Wirkung durch das ebenfalls enthaltene Cannabidiol (CBD) gemindert. CBD wird auch in der Schmerzbehandlung, bei Krebs, Multipler Sklerose und entzündlichen Schmerzsyndromen wie Arthritis eingesetzt. Doch der Studie zufolge ist der CBD-Anteil im gehandelten Cannabis oft deutlich zurückgegangen.

Regelmäßiger und hoher THC-Konsum in der Jugend kann nicht nur Psychosen auslösen, sondern auch Angststörungen, bipolare Störungen oder Depressionen. Es bleibt jedoch umstritten, ob Cannabiskonsum diese Störungen auslöst oder ob Jugendliche mit solchen psychischen Problemen anfälliger für einen hohen Cannabiskonsum sind.

Akzeptanz in der Bevölkerung erhöhen

Trotz der Risiken und Nebenwirkungen ist Cannabis bei Jugendlichen die beliebteste illegale Droge, und Kontrollen und Verbote konnten dies nicht verhindern. Andere beliebte Drogen wie Alkohol und Tabak hingegen können in Deutschland legal gekauft und konsumiert werden, obwohl auch diese Drogen schwere gesundheitliche, soziale und gesellschaftliche Schäden verursachen können. Trotz bestehender Altersgrenzen für den Verkauf können Jugendliche relativ leicht Zugang zu Alkohol und Tabak erhalten.

Die Debatte in vielen Teilen der Welt um die Legalisierung von Cannabis zeigt, dass die Akzeptanz von Cannabis in der öffentlichen Wahrnehmung mittlerweile zunimmt.

Infografik Legalisierung von Cannabis weltweit

Auch die neue Bundesregierung will Cannabis in Deutschland bald legalisieren. in dem Koalitionsvertrag zwischen SPD, Grünen und FDP Darin heißt es: „Wir führen den kontrollierten Verkauf von Cannabis an Erwachsene zu Freizeitzwecken in lizenzierten Geschäften ein. Damit wird die Qualität kontrolliert, die Weitergabe kontaminierter Stoffe verhindert und der Jugendschutz gewährleistet. Wir werden das Gesetz nach vier Jahren auf gesellschaftliche Auswirkungen evaluieren.“ .“

„Unser Ziel ist es, die Gesundheit der Verbraucher zu schützen, Kinder und Jugendliche vom Konsum fernzuhalten, den Schwarzmarkt trockenzulegen“, sagte der neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Burkhard Blienert (SPD), dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Gleichzeitig dämpfte es die Erwartungen an eine rasche Legalisierung von Konsum und Anbau. „Das Thema ist extrem komplex und voller Fallstricke“, sagt Blienert. „Das ist kein Gesetz, das man aus dem Ärmel schütteln kann.“

Bessere Qualität

Legalisierung könnte daher in erster Linie die Qualität von Cannabis verbessern.

Denn in den letzten Jahren wurde kontaminiertes Cannabis vermehrt auf der Straße verkauft. Laut dem Deutschen Hanfverband wird Cannabis oft mit Sand, Zucker, Glas oder Gewürzen verdünnt.

Zudem wird zunehmend Cannabis gemischt mit synthetischen Wirkstoffen angeboten. Diese sogenannten synthetischen Cannabinoide sind deutlich gefährlicher als THC, da es sich um psychoaktive Substanzen handelt, die die Wirkung der Droge verstärken und unkontrollierbar machen. Bei Verbrauchern können sie zu Wahnvorstellungen und Kreislaufkollaps führen.

Gesellschaft und Politik bezeichnen Cannabis oft als gefährliche Einstiegsdroge. Allerdings lässt sich nicht so einfach nachweisen, dass Cannabiskonsumenten zwangsläufig auch auf härtere Drogen umsteigen. Die meisten Cannabiskonsumenten haben jedoch zuvor Alkohol und Tabak konsumiert, sodass diese beiden legalen Drogen viel eher als Einstiegsdroge angesehen werden können.

Eine gesetzliche, staatlich kontrollierte Steuer kombiniert mit einem festgesetzten THC-Höchstgehalt und einer Kennzeichnungspflicht für Zusatzstoffe könne das Gesundheitsrisiko deutlich reduzieren, so die Argumentation.

Wenn sich junge Cannabiskonsumenten durch die Legalisierung nicht mehr verstecken müssten, würden auch Therapiemöglichkeiten und Prävention profitieren, argumentieren Legalisierungsbefürworter. In der Schule oder zu Hause könnten dann die Risiken, insbesondere für Jugendliche, offener erklärt werden.

Dr. Eva Hoch, Psychologin an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des LMU-Klinikums, bezweifelt, dass der kontrollierte Verkauf von Cannabis, wie er im Koalitionsvertrag beschrieben ist, tatsächlich nur etwas für Erwachsene ist: „Jugendliche werden sich weiterhin für das interessieren Es ist daher wichtig, junge Menschen frühzeitig aufzuklären, mit ihnen über die Risiken von Cannabis zu sprechen, sie vor den Folgen starker THC-Produkte und möglicher Kontaminationen zu warnen. wirksame Prävention in den Schulen. Dafür müssen die entsprechenden Mittel bereitgestellt werden .Jetzt!“