China: Rekordregen wegen Corona-Lockdown? – Wissen

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China: Rekordregen wegen Corona-Lockdown?  – Wissen

Im Juni 2020 zogen dicke Wolken über Ostchina auf, einer der bevölkerungsreichsten Regionen der Welt. Zwei Monate lang gingen sintflutartige Regenfälle über die Metropolen, Flüsse schwollen auf Rekordniveau an und traten über. Millionen Menschen waren von den Überschwemmungen betroffen, Hunderttausende mussten evakuiert werden.

Für den Juni und Juli dieses Jahres wurden im Osten des Landes Regenmengen gemessen, die in den vergangenen 40 Jahren nicht annähernd erreicht worden waren. In den Jahrzehnten zuvor waren die Sommerniederschläge in der Region sogar stetig zurückgegangen. Möglicherweise wirkten die herannahenden dunklen Wolken auf die Bewohner wie die Ankündigung eines großen Unglücks. Schließlich kämpfte das Land wie der Rest der Welt mit der sich ausbreitenden Covid-19-Pandemie.

Tatsächlich gibt es wohl nicht nur einen symbolischen Zusammenhang zwischen der Pandemie und den Rekordniederschlägen – wenn man chinesischen Wissenschaftlern glauben darf. Eine Forschergruppe um den Atmosphärenforscher Yang Yang von der Nanjing University of Information Science and Technology schreibt, dass erst der Lockdown dazu geführt habe, dass im Frühjahr und Sommer 2020 so große Regenmengen über dem Osten des Landes abfließen konnten im Tagebuch Naturkommunikation.

Im Sommer 2020 begann Yang zu untersuchen, wie sich die Abriegelung auf die globalen Temperaturen und Niederschläge auswirken würde. „Und genau da ist die Niederschlagszunahme passiert“, sagt er. Während er wie die meisten anderen Einwohner von Nanjing zu Hause blieb, plante er, mithilfe von Computersimulationen herauszufinden, was die Regenfälle so heftig machte.

Der Lockdown reduzierte einerseits den Ausstoß von Treibhausgasen, andererseits aber auch den Ausstoß von sehr kleinen Partikeln, sogenannten Aerosolen, die hauptsächlich in geringer Höhe in der Luft schweben und aus Kraftwerken stammen und Auspuffrohre, aber auch aus natürlichen Quellen wie Mineralstaub aus der Wüste oder Meersalz. „Wir wissen, dass Aerosole nicht nur die Luftqualität, sondern auch das Klima beeinträchtigen“, sagt Yang. Damit können sie möglicherweise die Atmosphäre kühlen und damit der Erderwärmung entgegenwirken.

Die saubere Luft ließ das Land stark aufheizen.

Die Wissenschaftler um Yang verglichen die Wirkung beider Faktoren auf den Niederschlag und kamen zu einem interessanten Ergebnis: Die Abnahme der Aerosole sei in erster Linie für den Extremregen verantwortlich. Die Aerosolreduktion würde mindestens ein Drittel der beobachteten Niederschläge erklären.

Da der Verkehr im ganzen Land aufgrund des Lockdowns einbrach und Industrieanlagen stillstanden, wurden weniger Schwefeldioxid, Ruß und andere Partikel als gewöhnlich in die Atmosphäre freigesetzt. Die saubere Luft führte zu einer deutlichen Erwärmung des Landes, während sich der Ozean aufgrund reduzierter CO₂-Emissionen leicht abkühlte. Dadurch erhöhte sich das Temperaturgefälle zwischen Land und Ozean, was wiederum die Luftzirkulation verstärkte. Die Folge: Feuchte Luftmassen aus dem Südchinesischen Meer wehten nach Ostchina.

Für den indischen Monsun ist seit mehreren Jahrzehnten der gegenteilige Effekt zu beobachten: Weil die Luftverschmutzung zugenommen und die Erwärmung des indischen Subkontinents verlangsamt wurde, hat sich das Temperaturgefälle zwischen Land und Ozean verengt. Seit den 1950er-Jahren ist die Regenmenge daher insgesamt um rund zehn Prozent zurückgegangen.

Atmosphärenforscher Raghu Murtugudde, der am Technischen Institut der Bombay University den indischen Monsun erforscht, bezeichnet die Studie der chinesischen Forscher als „interessant“, weil sie ausnahmsweise einmal die atmosphärischen Folgen einer Abnahme der Luftverschmutzung untersuchen würden. Allerdings würden die Computermodelle die Effekte der Aerosole, dh die Dämpfung der Sonnenstrahlung und die Mikrophysik der Wolken, nicht immer vollständig abbilden. „Und selbst wenn, funktionieren die Modelle heute nicht mehr so ​​gut“, gibt Murtugudde zu bedenken. „Vor allem, wenn es darum geht, Regen zu kartieren.“

Yang Yang will die neuen Erkenntnisse nicht als Plädoyer für einen gemächlicheren Umgang mit der Luftverschmutzung verstehen, um extreme Wetterereignisse zu vermeiden. „Natürlich sollten wir allein aus gesundheitlichen Gründen die Luftverschmutzung weiter reduzieren“, sagt er.

Stattdessen ist es wichtig, die richtigen Aerosole abzubauen. Denn der Hauptgrund für die starken Regenfälle ist die Abnahme kleinster Partikel, die das Sonnenlicht reflektieren – etwa Sulfat. Und weniger die Abnahme der kleinsten Partikel, die das Sonnenlicht absorbieren – wie etwa Ruß. „Wir sollten uns vor allem darauf konzentrieren, die absorbierenden Aerosole zu reduzieren“, empfiehlt Yang. „Weil diese Aerosole auch die Luft erwärmen, würde dies sowohl dem Klima als auch der Luftqualität zugutekommen.“