„Frauen werden in der Forschung zu oft ignoriert“

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Meine Lieben, als sich Melanie Weilenmann aufgrund ihrer ausbleibenden Periode intensiver mit dem Thema Frauengesundheit auseinandersetzte, hatte sie gleich mehrere Aha-Erlebnisse – leider negativer Art. Denn vieles, was für Medikamente oder Gesundheitskonzepte empfohlen wird, ist tatsächlich für den Prototypen des Mannes konzipiert – und nicht für Frauenkörper angepasst.

Mit allem, was sie erlebt und herausgefunden hat, hat sie nebenberuflich gearbeitet Gesundheitscoach für Frauen selbstständig, um Frauen dabei zu helfen, ihren Körper besser kennenzulernen und zu verstehen. Sie lebt mit ihrem Mann in der Schweiz und arbeitet ansonsten nebenberuflich als Pflegeexpertin APN in einer Klinik. Sie erwartet derzeit ihr erstes Kind und ist gespannt auf all die Veränderungen, die es mit sich bringen wird. Hier ihr Gastbeitrag:

Melanie Weilmann. Foto: Barbara Sigg

Keine Periode nach Absetzen der Pille

„Sollten wir es nicht mal mit Hormonen versuchen?“ Es war Winter 2020 und ich saß wieder bei meiner Frauenärztin. Zu diesem Zeitpunkt war ich 30 Jahre alt. Ich hatte vor zwei Jahren die Pille abgesetzt und hatte immer noch keine Periode.

Ich litt an der sogenannten sekundären Amenorrhoe. Das Sekundäre Amenorrhoe bezieht sich auf das Ausbleiben der Menstruationsblutung für mehr als drei Monate bei Frauen, die bereits einen Menstruationszyklus hatten.

Seit meiner Jugend leide ich unter unregelmäßigen Menstruationszyklen. Gerade in stressigen oder aufregenden Phasen (z. B. auf Reisen) blieb meine Periode oft monatelang aus. Ich hatte schon damit gerechnet, dass es nach der Pille etwas dauern könnte, bis sich meine Periode wieder beruhigt. Die Tatsache, dass sie so lange fortgeblieben war, machte mir natürlich Sorgen. War ich nicht eine normale Frau? Würde ich niemals Kinder bekommen können? Warum ich? All diese Gedanken rasten in diesem Moment durch meinen Kopf. Auch die befürchteten Spätfolgen der Amenorrhö, Osteoporose, haben mir große Angst gemacht.

Gesundheitsstudien: Richtet sich an Männer, nicht an Frauen

Aber zum Glück hatte ich damals ein feines Stimmchen in mir, das sich wehrte. Eine Stimme, die nicht verstand, warum niemand eine Erklärung für mein Symptom hatte. Eine kleine Stimme, die nicht wollte, dass ich einfach Hormone schlucke und dieses Symptom vertusche. Eine Stimme, die der Sache auf den Grund gehen wollte. Also ging ich meinen eigenen Heilungsweg und übernahm die Verantwortung für meine eigene Gesundheit.

Glücklicherweise hatte ich als Pflegewissenschaftlerin schon immer eine Leidenschaft für Gesundheitsthemen. Ich las viele Bücher und verbrachte Stunden damit, wissenschaftliche Studien zu sichten. Was ich entdeckte, erschreckte mich. Die meisten Gesundheitsstudien wurden hauptsächlich an Männern getestet und einfach an Frauen angepasst.

Frauengesundheit: Viele Empfehlungen und Dosierungen sind nichts für SIE

Frauen gelten aufgrund ihres Menstruationszyklus und den daraus resultierenden Hormonschwankungen als zu unberechenbar und unsicher für die Forschung. Im Vergleich dazu sind die Hormonspiegel eines Mannes meist ausgeglichen. Unser Gesundheitswissen basiert daher hauptsächlich auf dem männlichen Modell. Es ist zu vermuten, dass dies mit erheblichen Nachteilen für Frauen verbunden ist. Inzwischen gibt es Hinweise darauf, dass Frauen Medikamente oft überdosiert bekommen oder manchmal falsch diagnostiziert werden, was im schlimmsten Fall tödlich sein kann.

Mit diesem Thema werden wir nicht nur im Krankheitsfall konfrontiert, sondern auch im Alltag. Die wenigsten Frauen wissen, dass Trainings- und Ernährungsempfehlungen auch am Vorbild Mann getestet wurden und somit für uns Frauen nicht nur nutzlos sind, sondern sogar schädlich wirken können.

Weibliche Gesundheit: Der biologische Unterschied

So löst zum Beispiel das derzeit stark gehypte Intervallfasten eine Stresskaskade im empfindlichen Frauenkörper aus. Das wiederum fördert ein hormonelles Ungleichgewicht, das sich in Haarausfall, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Gewichtsschwankungen oder Unregelmäßigkeiten im Menstruationszyklus äußern kann. Andere Gesundheitstrends wie High Intensity Interval Training (HIIT), Low Carb oder Paleo mögen für Männer gut sein, haben aber bei Frauen oft den gegenteiligen Effekt.

Aufgrund meiner Erkenntnisse begann ich mich intensiv mit meiner Weiblichkeit und weiblichen Gesundheit auseinanderzusetzen. Als emanzipierte Frau war ich es gewohnt, Männern nachzueifern, ob im Beruf oder in der Freizeit. Bisher hatte ich den biologischen Unterschied völlig ignoriert und nicht gemerkt, dass ich meinen Körper viel zu sehr belaste. Besonders fasziniert hat mich der weibliche Zyklus, von dem ich kaum etwas wusste. Und obwohl ich ohne Zyklus war, nahm ich ihn jetzt als Richtschnur für mein Leben.

Überwinde schädliche Überzeugungen

Im Laufe eines Zyklus gibt es Phasen der Ruhe und Regeneration, gefolgt von Phasen großer Kreativität. Wenn wir unter ausbleibender oder unregelmäßiger Periode leiden, haben wir den Bezug zu unserem natürlichen Rhythmus verloren. Obwohl wir meist gleich funktionieren und nach außen hin effizient wirken, bewegen wir uns immer in der Grauzone und erleben nicht das Schwarz-Weiß des Frauseins.

Ich begann kritisch zu hinterfragen, was mir wirklich gut tut und wieder mehr auf meinen eigenen Körper zu hören. Muss ich jeden Tag hart arbeiten? Sollte es nicht Tage im Monat geben, an denen ich es etwas ruhiger angehen lasse? Ist Rohkost heute wirklich gut für mich? Oder bevorzugen Sie eine warme Mahlzeit? Außerdem habe ich mich als Person tiefgehend betrachtet und einige schädliche Glaubenssätze erkannt, die ich nun glücklicherweise im Zaum halten kann.

„Plötzlich war mein Körper wieder im Gleichgewicht“

Es dauerte nur wenige Monate, bis ich eines Morgens plötzlich das lang ersehnte Blut zum ersten Mal entdeckte. Nach Jahren fühlte ich mich endlich wieder wie eine richtige Frau und genoss dieses neue Lebensgefühl. Kurz darauf hörte es aber wieder kurzzeitig auf, weil ich in alte Muster verfiel. Zum Glück wurde mir schnell klar, was ich ändern musste. Die nächste Periode ließ noch lange auf sich warten, aber diesmal gab es einen anderen Grund: Ich war schwanger! Obwohl geplant, kam das Ganze doch sehr überraschend für mich. Schließlich hatten sich all die Ärzte, die mir prognostizierten, dass ich Schwierigkeiten haben würde, Kinder zu bekommen, tief in mein Unterbewusstsein eingegraben.

Mittlerweile bin ich sogar sehr dankbar für meine ausbleibende Periode. Ich habe durch sie nicht nur gemerkt, welcher Lebensstil mir nicht so gut tut. Tatsächlich habe ich meinen Körper noch mehr kennen und schätzen gelernt. Ich erkenne jetzt, dass ich ein zyklisches Wesen bin und nicht jeden Tag auf dem gleichen Niveau arbeiten kann und sollte.

Abwechselnde Pausen und Vollgas

Ich plane bewusst mehr Pausen ein, gebe nicht immer Vollgas und höre auf meine Bedürfnisse. Ruhe zuzulassen fällt mir leichter, weil ich weiß, dass ich später mit mehr Energie und Tatendrang belohnt werde. Während meiner Reise wuchs in mir der Wunsch, mein Wissen mit allen Frauen zu teilen. Meine große Vision ist es, möglichst vielen Frauen zu nachhaltiger Gesundheit zu verhelfen. Denn ich bin davon überzeugt, dass es weniger kranke und erschöpfte Frauen geben würde, wenn wir mehr nach unserer einzigartigen Natur leben würden.