Gesundheit – FDP fordert Corona-Lockerungen – Gesundheit

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Berlin (dpa) – Vor dem Corona-Gipfel von Bund und Ländern am Mittwoch drängt die FDP auf schnelle und spürbare Lockerungen. Nach der Beratung der Regierungschefs mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) müsse es einen „spürbaren Unterschied in unserem Alltag geben“, sagte Parteichef Christian Lindner der „Bild am Sonntag“ („BamS“).

„Klar ist, dass man beim Öffnen zu dreist sein kann. Allerdings ist diese Gefahr mittlerweile extrem überschaubar.“ Die Kommunen wollen zumindest einen konkreten, einheitlichen Öffnungsplan. „Nach mehr als zwei Jahren Corona-Pandemie wollen Menschen und Wirtschaft endlich ein Zeichen der Hoffnung setzen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Omicron-Erkrankungen bei vielen weniger schwerwiegend

Zunächst sollen die Zugangsbeschränkungen im Einzelhandel bundesweit fallen. „Darüber hinaus sollten bundesweit Vereinfachungen insbesondere für Jugendliche und für Sportveranstaltungen festgelegt werden“, forderte Landsberg. Er erklärte, dass der Höhepunkt der Omicron-Welle in wenigen Tagen erwartet werde und dass es keine Anzeichen dafür gebe, dass die Krankenhäuser überfordert sein würden. „Abstände und die FFP2-Maske müssen natürlich weiterhin vorgeschrieben werden.“

Sicher ist, dass die Regierungschefs trotz der Extremsituation von täglich mehr als 200.000 Neuinfektionen einen Öffnungsplan aufstellen werden – denn Omicron-Erkrankungen verlaufen für viele weniger schwer als die früher vorherrschenden Varianten. Fraglich ist, wie schnell und in welchen Schritten Öffnungen kommen und ob das bis zum 19. März befristete Infektionsschutzgesetz als Grundlage für die Schutzmaßnahmen vorsorglich verlängert werden soll. Auf Drängen der FDP hatte die Ampelkoalition bereits zu Beginn der vierten Welle das Angebot an Schutzinstrumenten reduziert und musste dann angesichts der außer Kontrolle geratenen Infektionslage Anpassungen vornehmen.

FDP-Fraktionschef Christian Dürr drängt nun darauf, dass alle Maßnahmen zum 19. März aufgehoben werden. „Und damit das nicht auf einmal passiert, sollten wir jetzt Schritt für Schritt mit den ersten Einschränkungen beginnen“, sagte er der „ BamS“.

Die SPD-Länder und auch Wirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen scheinen eine Lockerung und Erweiterung der Rechtsgrundlagen für die Maßnahmen anzustreben. Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), der zur Vorsicht mahnte, hatte sich für die Entwicklung von Öffnungsperspektiven ausgesprochen.

Buschmann bezweifelt Modellrechnungen

Lauterbach sagte dem „Spiegel“ mit Blick auf die aktuellen Schutzmaßnahmen: „Wir retten täglich 100 bis 150 Menschenleben.“ Mit Hinweis auf Öffnungsschritte in Israel und die dort dann ausufernde Infektionslage hatte er davor gewarnt, dass es in Deutschland dann täglich 400 bis 500 Tote statt derzeit 100 bis 150 geben werde.

Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) bezweifelt solche Modellrechnungen. „Wir sollten den Menschen nicht mehr Angst machen als nötig. Viele sind seit zwei Jahren in einer sehr belastenden Situation. Man muss den Stress nicht erhöhen“, sagte er dem „Tagesspiegel am Sonntag“.

Das Mitglied des Corona-Expertenrates der Regierung, Christian Karagiannidis, der das Divi-Intensivregister leitet, forderte derweil Vorbereitungen für eine weitere Corona-Welle im Herbst und auch für eine neue Teststrategie. Beim Redaktionsnetzwerk Deutschland schlägt er vor, „im Herbst nicht mehr auf Verdacht zu testen, sondern nur noch Tests für gefährdete Gruppen und Menschen mit Corona-Symptomen anzubieten“. Darüber hinaus sollten Abwasseruntersuchungen und die Überwachung von Patienten mit Atemwegsinfektionen durchgeführt werden. „Schon jetzt ist klar, dass wir im Herbst und Winter wieder Masken brauchen werden, zumindest um chronisch Kranke zu schützen.“

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