Hendrik Streeck warnt deutlich vor „Markus Lanz“

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Hendrik Streeck plädiert in der Sendung für eine Auffrischimpfung.zdf

Katharina Holzinger

Vor der Bund-Länder-Runde am Freitag, bei der weitere Corona-Maßnahmen diskutiert werden, wird Markus Lanz noch einmal konzentriert über die aktuelle Pandemie-Situation sprechen. Gregor Gysi und Hendrik Streeck sprechen sich am Donnerstagabend gegen eine generelle Impfpflicht aus, die Gruppe diskutiert auch potenziell mildere Verläufe in der Omikron-Variante, den Weg in die Endemiephase und die Persönlichkeit von Hans-Georg Maaßen. Die Gäste waren:

  • Gregor Gysi, Politiker (Die Linke)
  • Eva Quadbeck, stellvertretende Chefredakteurin des „RedaktionsNetzwerk Deutschland“
  • Hendrik Streeck, Virologe
  • Karin Prien, Schleswig-Holsteinische Kultusministerin (CDU) und Präsidentin der Kultusministerkonferenz

Die Situation an den Schulen

Die Schulen sollen in jedem Fall geöffnet bleiben – das bestätigt Karin Prien vom CDU gleich zu Beginn der Sendung und wiederholt damit die Ergebnisse der Bildungsministerkonferenz am Mittwoch, auf der sie die bisherige Strategie an den Schulen bekräftigten. Prien bewertete die neu geplante Quarantäne-Regelung als gut, die künftig von 14 Tagen auf 10 Tage verkürzt werden soll. Auch bei der Omikron-Variante steht der Präsenzunterricht im Vordergrund. Wenn ein Lehrer auch engen Kontakt zu einer mit Omikron infizierten Person hat, muss er nicht in Quarantäne, wenn er aufgefrischt wird und keine Symptome hat, ergänzt Prien.

Die neue Variante sei ansteckender, sagt Virologe Hendrik Streeck. Gleichzeitig spricht er sich dagegen aus, ganze Schulklassen in Quarantäne zu schicken, was Lanz staunen lässt, wie passt das zusammen? Streecks Antwort ist etwas verrutscht, verweist dann aber auf funktionierende Hygienemaßnahmen in den Schulen, bestehend aus Masken und Tests – würde man ganze Klassen nach Hause schicken, könnten die Schulen auch komplett geschlossen werden, was keinen Sinn machen würde. Lanz äußert Bedenken, ob die beschlossenen Punkte der Konferenz bundesweit durchgesetzt werden, was oft nicht der Fall war. Die Journalistin Eva Quadbeck sieht das Problem bei der Auslegung, man sieht am Beispiel der Ministerpräsidentenkonferenzen, dass Leitplanken festgelegt werden, diese dann aber in jedem Bundesland anders interpretiert werden. Das Ergebnis ist ein Flickenteppich an Corona-Regelungen.

Diskussion um den Luftfilter

Quadbeck kritisiert zudem, dass noch wichtige schulpolitische Maßnahmen fehlen, beispielsweise kein hybrides Schulkonzept eingeführt wurde. Es wurde „nur als Krücke“ verwendet, als der Unterricht nur online stattfinden konnte. Ihr Idealkonzept: Schüler, die wegen Quarantäne zu Hause bleiben, können sich digital vernetzen, während gleichzeitig Präsenzunterricht stattfindet. Ein weiteres Versäumnis ihrer Meinung nach: Das Geld für Luftfilter sei nicht abgerufen worden. Dem widerspricht die Politikerin Karin Prien vehement. Sie halten es für einen Fehler zu glauben, dass Luftfilter öffnende Fenster ersetzen können. Dies ist eine Maßnahme für Räume, in denen dies nicht möglich ist und diese wurden auch damit ausgestattet.

„Luftfilter sind kein Ersatz für die Belüftung.“

(Karin Prien)

Karin Pien (CDU) besteht darauf, dass die Schulen geöffnet bleiben.

Karin Pien (CDU) besteht darauf, dass die Schulen geöffnet bleiben.zdf

Lücken in der Datenerhebung

Ein weiterer Diskussionspunkt ist die Corona-Datenerhebung. Gysi fordert immer wieder eine stärkere Sichtbarkeit der Krankenhauseinweisungsrate, die anderen in der Gruppe weisen ihn darauf hin, dass diese Nummern vorhanden und auch öffentlich einsehbar seien. Streeck kritisiert dagegen, dass in Deutschland nicht frühzeitig mit systematischen Tests begonnen wurde. Sein Fazit: „Die guten Daten bekommen wir leider aus dem Ausland.“ Besonders lobt er das zentralisierte Registrierungssystem in England. Prien stimmt ihm in vielen Punkten zu, sieht darin aber ein großes Problem: den Datenschutz.

Der Omikron-Effekt

In Bezug auf Omikron sagt Streeck, dass die neue Variante potenziell zu weniger schweren Verläufen führen würde, warnt aber davor, dass die normalen Stationen in den Krankenhäusern überlastet werden. „Wir müssen uns auf eine Erhöhung einstellen“, appelliert er und betont die Bedeutung der Auffrischimpfung. Er begrüßt, dass die Quarantänezeit verkürzt wird, damit wichtiges Personal früher eingesetzt werden kann. Gysi fordert, dass PCR-Tests für jedermann kostenlos zur Verfügung stehen, auch ohne Symptome. „Das wäre gut für alle.“ Die Leute hätten so weniger Angst. Streeck hält den lang erwarteten Endemiezustand für schwer zu beschreiben. „Wir haben kein Ziel, wie wir in die Endemie kommen“, lautet sein nüchternes Fazit, dieser Punkt ist schwer zu bestimmen. Aber er geht davon aus, dass es ein schrittweiser Prozess sein wird.

Gregor Gysi spricht sich gegen eine generelle Impfpflicht aus, die nicht durchsetzbar ist.

Gregor Gysi spricht sich gegen eine generelle Impfpflicht aus, die nicht durchsetzbar ist.zdf

Debatte um Impfpflicht

In der Debatte um die Impfpflicht sind sich Gysi und Streeck einig. Sie argumentieren, dass dies nicht durchgesetzt werden kann, weil immer wieder Auffrischungsimpfungen erforderlich sind, die dann nicht durchführbar sind.

„Ich bin ein Impffan, aber gegen Impfpflicht.“

(Hendrik Streeck)

Gysi spricht sich stattdessen dafür aus, das Vertrauen von Teilen der Bevölkerung zurückzugewinnen, das vor allem im Osten vielerorts verloren gegangen ist. Er sieht sie besonders Politik Verantwortung trägt, ist eine transparentere Kommunikation erforderlich. Quadbeck formuliert ihre Meinung zum Thema Impfpflicht drastisch:

„Die Impfdebatte ist die verlogenste Debatte, die ich in 20 Jahren politischer Berichterstattung gesehen habe.“

(Eva Quadbeck)

Das Vertrauen von Teilen der Bevölkerung geht verloren, wenn falsche Versprechungen gemacht werden, etwa wenn Impfpflichten erst kategorisch ausgeschlossen und dann wieder in Frage kommen.

Die Journalistin Eva Quadbeck findet die Impfdebatte verlogen.

Die Journalistin Eva Quadbeck findet die Impfdebatte verlogen.zdf

Am Ende sprach Lanz mit Politiker Prien über das CDU-Mitglied Hans-Georg Maaßen – sie hatte sich im Vorfeld klar von ihm distanziert und seinen Parteiausschluss gefordert, nachdem er ein Video geteilt hatte, in dem der Mikrobiologe und Impfgegner Sucharit Bhakdi, ein “ Covid-Impfverbot“ propagiert. Auch in der Sendung spricht sich Prien klar für den Ausschluss Maaßens aus der Partei aus und sagt, viele in der Partei würden das so sehen: „Man darf die Ikone der Verschwörungstheoretiker nicht unterstützen.“ Auch Gysi findet scharfe Worte: „Maaßen hat sich von einem Rechtsextremisten zu einem Rechtsextremisten entwickelt.“ Auch außerhalb der Talkshow hat Bildungsministerin Prien Unterstützung für ihre Forderung nach Parteiausschluss erhalten, auch der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hat sich dafür ausgesprochen.