Immer nachhaltigere Produkte: Menstruation wird zum öffentlichen Thema – Gesundheit

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Immer nachhaltigere Produkte: Menstruation wird zum öffentlichen Thema – Gesundheit

– Die Menstruation ist zu einem öffentlichen Thema geworden und gehört nicht in die Scheuecke. Dieser Trend kann helfen, die Umwelt zu schützen.


„Haben Sie einen Tampon?“ Sie flüstern einem Freund zu und schämen sich, weil Sie nicht vorbereitet sind. Diese Situation wird einigen bekannt sein. Du willst nicht, dass jemand weiß, dass du deine Periode hast, du lässt es nicht erkennen, dass du krank bist, und meldest dich aus einem anderen Grund bei der Arbeit krank.



Aber es passiert etwas. Verbraucher wollen nachhaltigere, umweltfreundlichere Produkte und realistische Werbung. Werbespots zeigen Frauen nicht mehr nur beim Einkaufen oder Hüpfen über eine Blumenwiese, sondern auch beim Krafttraining, im Büro und im Umzugsstress. 2021 war ein wichtiges Jahr, um das Menstruationstabu noch ein Stück weiter zu brechen: Die erste Werbung für Binden mit roter Flüssigkeit erschien in Deutschland. Davor sah man stattdessen eine blaue Flüssigkeit, die ein Gefühl von Frische und Sauberkeit erzeugen sollte.

Sexistisch und umweltschädlich

Im vergangenen Jahr gab es aber auch Damenhygieneprodukte, die weiterhin den alten Klischees bedienten. Ein Beispiel dafür sind die sogenannten Pinky Gloves – ein Produkt aus der TV-Sendung „Die Höhle des Löwen“ im April 2021. Die Produktidee dahinter: Ein rosa Plastikhandschuh sorgt dafür, dass Frauen Tampons nicht mit den Händen berühren müssen und direkt mit dem Handschuh entsorgen können. Die Produktidee floppte. Als sie ihre Erfindung in der TV-Show vorstellten, sorgten die beiden Hersteller sofort für einen Shitstorm. Menschen stuften die Geschäftsidee als sexistisch und umweltschädlich ein. Außerdem waren viele empört darüber, dass Pinky Gloves den Eindruck verstärken, dass der Zeitraum etwas Ekelhaftes ist.

Um das Stigma zu brechen, organisierte die Pianistin Lisa M. im Sommer 2021 zusammen mit anderen Künstlerinnen und Künstlern in der Roten Galerie in Nürnberg eine Ausstellung zum Thema Menstruation. In Form von Fotografien, Videoperformances, Gesang und Illustrationen wurde die Menstruation behandelt. Lisas Erfahrungen mit der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema sind gemischt: „Manchmal war es ziemlich unangenehm, als würde ich etwas Verbotenes tun.


Zeitraum trifft auf Nachhaltigkeit

Drogerien und (Online-)Shops für Menstruationsprodukte sind zukunftsorientierter als die Pinky-Handschuhe. „Ich möchte, dass Dinge sichtbar werden, dass man darüber spricht“, sagt Stefanie Wagner. Sie hat ihres 2019 eröffnet Kaufen Sie ALMO in Ansbach ein, ein Shop für alternative Menstruationshygiene. Vorher unzufrieden mit dem traditionellen Sortiment an Menstruationsprodukten, setzte sie sich schnell an die Nähmaschine und fertigte ihre eigenen Stoffslipeinlagen an. Ihr Angebot kommt laut ihr gut an: «In der Schweiz gibt es jetzt einen Laden, und ich bekomme viele Anfragen von Leuten, die so einen Laden planen.»

Herkömmliche Binden und Slipeinlagen bestehen aus Zellstoff und Kunststoff und sind daher nicht biologisch abbaubar. Die meisten Tampons bestehen aus Baumwolle, die mit Pestiziden verseucht sein könnte. Da Menstruatoren jeden Monat mit diesen Produkten zu tun haben und durchschnittlich sechs Jahre ihres Lebens verbluten, erscheint es vielen sinnvoll, sich intensiver mit ihnen auseinanderzusetzen – zum eigenen Wohl und zum Schutz der Umwelt.

Menstruationstassen, Periodenslips oder Naturschwämme

Den ersten Schritt in diese Richtung sehen viele in der Umstellung auf Bio-Produkte ohne Duftstoffe und synthetische Zusätze, wie zum Beispiel Bio-Tampons. Mehrwegprodukte sind jedoch nachhaltiger. Hier hast du jetzt eine große Auswahl: Menstruationstassen, Periodenslips, Naturschwämme oder Slipeinlagen aus Stoff. Nach Gebrauch kochst du die Produkte einfach aus oder wäschst sie mit der Heißwäsche. Viele dieser Produkte halten bis zu zehn Jahre. Ein Tipp von Stefanie Wagner für alle, die noch suchen: „Verwende nur Produkte, die dir gut tun. Es darf nicht kneifen, es muss sich gut anfühlen.“

Wenn du während deiner Periode keine Ausscheidungen verursachen möchtest, bleibt nur die Option „freie Blutung“. Sie verwenden keine Produkte, sondern versuchen, die Blutung mit Beckenbodengymnastik zu kontrollieren. „Ganz wichtig: Reden Sie darüber, es muss keine Schande sein“, sagt Stefanie Wagner. Jede Menstruation ist anders und nur so kannst du herausfinden, was am besten zu dir passt.


Wer selbst noch keine Menstruationserfahrung hat, kann durchaus ein Bewusstsein dafür an den Tag legen. Menstruationsprodukte und kleine Abfalleimer im Badezimmer bewahren dich oft vor unangenehmen Situationen.

Wenn Sie schlecht gelaunt oder gereizt sind, kann das sogenannte prämenstruelle Syndrom der Grund sein. Viele Menstruatorinnen leiden vor und während der Menstruation unter Beschwerden wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Heißhunger und Bauchkrämpfen. „Ich muss vorher immer Schmerzmittel nehmen und musste schon mehrfach ins Krankenhaus“, berichtet Musikerin Lisa M. Verständnis ist angebracht, Fragen wie „Hast du deine Tage?“ sind fehl am Platz.

Auch finanzielle Aspekte der Menstruation können belastend sein. Immerhin verbrauchen Menstruatoren in ihrem Leben durchschnittlich etwa 10.000 bis 17.000 Einweg-Hygieneartikel. In Schottland zum Beispiel müssen öffentliche Einrichtungen jetzt Menstruationsartikel kostenlos zur Verfügung stellen.