Pforzheimer Bürgerinnen und Bürger diskutieren online über den Integrierten Mobilitätsentwicklungsplan

Startseite » Pforzheimer Bürgerinnen und Bürger diskutieren online über den Integrierten Mobilitätsentwicklungsplan

Das Auto sollte zurückgeschoben werden

Unter dem Motto „Pforzheim mobil – Mobilität gemeinsam gestalten“ soll der integrierte Mobilitätsentwicklungsplan bis Mitte 2022 fertiggestellt werden. Die Bürgerinnen und Bürger sollten aktiv einbezogen werden.

Schlechtes Image: Der ÖPNV hat laut Experte ein schlechtes Image und sollte verbessert werden. So will das IMEP beispielsweise das Netz der Verkehrsmittel, wie hier am Hauptbahnhof, mit Zügen, Bussen und Fahrrädern erweitern.

Foto: Jürgen Peche

Der Integrierte Mobilitätsentwicklungsplan (IMEP) soll den Verkehrsentwicklungsplan aus dem Jahr 2010 ablösen und stärker als bisher den Mobilitätsbedürfnissen der Menschen dienen. Auch die Bürger und ihre Bedürfnisse und Wünsche sollten gebührend berücksichtigt werden.

Aus diesem Grund haben die Stadt Pforzheim und das mit der IMEP-Entwicklung beauftragte Expertenteam der PTV Transport Consult GmbH am Dienstagabend den Teilnehmern aus Bürgerschaft und Verwaltung in einer Online-Konferenz den aktuellen Stand des Verfahrens vorgestellt.

Im Laufe des Abends diskutierten die fast 40 Teilnehmer über sieben Themen, in denen die Mobilität verbessert werden sollte. Die wichtigsten Ziele sind die Verbesserung des ÖPNV, der laut Experte unter einem schlechten Image leidet.

Um Radfahrern und Fußgängern mehr Platz zu geben, soll der Straßenraum neu geordnet und damit der Autoverkehr in der Stadt bis 2035 um 30 Prozent reduziert werden.

Mobilität neu denken

„Wir müssen Mobilität gemeinsam neu denken“, lautet die Botschaft von Bürgermeisterin Sibylle Schüssler (Grüne) in ihrem Vorwort. Vorangegangene Überlegungen sollten mit dem Input der Bürgerinnen und Bürger verknüpft werden, die so wichtige Bausteine ​​beisteuern können.

Christoph Schulze, Projektleiter bei Transport Consult, stellte die Ziele der Stadt im Rahmen des IMEP vor, die bis 2035 erreicht werden sollen. Diese sollen dem Grundsatz „Schaffung einer hohen Lebensqualität in einer attraktiven Stadt“ dienen.

Ziel ist es, Pforzheim zu einer kompakten Stadt mit kurzen Wegen zu entwickeln, die per Fahrrad und zu Fuß zurückgelegt werden können. Der Anteil von Gehen und Radfahren am Modal Split, also der Verteilung der Mobilität auf die verschiedenen Verkehrsmittel, soll von derzeit 28 auf 45 Prozent gesteigert werden.

Wo der öffentliche Raum bisher vom Auto dominiert wird, soll die Aufenthaltsqualität verbessert werden. Dies hat seit 2010 zu einem Anstieg des CO geführt2Emissionen um 17 Prozent. Ziel ist nun ein emissionsarmer Umweltverbund, der Mobilitätsangebote besser vernetzt und zugänglicher macht. Zum Beispiel mit Hilfe der Digitalisierung innerhalb einer Smart City.

Schaffen Sie attraktive Alternativen zum Auto

Um die Ziele zu erreichen, sollten zudem attraktive Alternativen zum Auto geschaffen werden. Auch der Autoverkehr soll laut Schulze bis 2035 um ein Drittel reduziert werden. Aus der Bürgerschaft regte Jürgen Augenstein an, zunächst den Straßenraum für Autos zu reduzieren, „dann handeln die Menschen entsprechend und wechseln eher“.

Genau das will Schulze innerhalb des IMEP erreichen. Manfred Becker von der AG Seniorenbedarfsplanung in Büchenbronn forderte ein höheres Tempo beim Ausbau barrierefreier Bushaltestellen.

„Barrierefreiheit muss eine höhere Priorität erhalten.“ Er bemängelte auch die „Pforzheimer Mentalität, so viel wie möglich zu fahren“. Eine solche Verhaltensänderung zu erreichen, ist laut Schulze „ein langwieriger Prozess“.

Dieter Vortisch fährt mit seinem Pedelec hauptsächlich in die Stadt und wird oft belächelt. Sein Fazit: „Anderen Verkehrsmitteln als dem Auto mangelt es an Akzeptanz.“

Dringend wünscht er sich den Ausbau des Radwegenetzes, einen Radlift auf den Buckenberg und mehr Carsharing-Angebote mit E-Autos und entsprechenden Ladestationen. Matthias Dietel plädierte für mehr sichere Abstellplätze für E-Bikes in der Stadt, um Diebstahl vorzubeugen.

„IMEP ist ein Leitfaden für das neue Mobilitätsdenken“, fasst Schulze zusammen. Die Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele werden in Verwaltung und Politik kontrovers diskutiert. Neue Ideen brachten die Teilnehmer der aktuellen Gesprächsrunde ein. Ein weiterer Online-Bürgerdialog soll im März oder April folgen. Und bis Juli soll der Maßnahmenkatalog fertig sein.