Was mache ich, wenn ich mein Urlaubsland nicht betreten darf? – BZ Berlin

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Endstation Check-in-Schalter: Wer nicht geimpft ist, darf in einige Länder nicht mehr einreisen. Aber was ist mit bereits gebuchten Reisen? Können Ungeimpfte ihren Urlaub einfach stornieren?

Mit zunehmender Zahl von Omicron-Infektionen wird es für ungeimpfte und genesene Reisende immer komplizierter. Die Liste der Länder, die nur geimpfte Personen einreisen lassen, wird immer länger. Dies ist beispielsweise in den USA und Kanada seit einiger Zeit der Fall. Aber auch einige südamerikanische und afrikanische Länder gehen restriktiv vor. Was bedeutet das für bereits gebuchte Reisen?

Können ungeimpfte oder genesene Touristen ihren Urlaub aufgrund geänderter Einreisebestimmungen problemlos stornieren oder verschieben?

Die unbefriedigende Antwort: Das kann man nicht pauschal sagen. Denn noch hat kein Gericht geklärt, was in diesem Fall reiserechtlich gilt, sagt Karolina Wojtal vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland (EVZ).

In jedem Fall sollte strikt zwischen Pauschal- und Individualreisenden unterschieden werden. Denn Pauschalreisende sind tendenziell besser geschützt als Individualreisende.

Individualreisende sollten sich nicht auf Kulanz verlassen

Für Einzelreisende gelten im Zweifel allein die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Sehen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen kein Rücktritts- oder Umbuchungsrecht vor, was laut Wojtal häufig bei Flügen und Unterkünften der Fall ist, müssen Verbraucher in der Regel die Kosten tragen, auch wenn sie den Service nicht nutzen können.

Da kommt sofort Urlaubsfeeling auf: Palmen säumen den Weg gegenüber der Marina (Foto: Stefan Peter)
Raus aus dem Alltag – wer wünscht sich das nicht in Zeiten von Corona? (Foto: Stefan Peter)

Kann man wenigstens auf den guten Willen der Anbieter bauen? Wahrscheinlich nicht, schätzt Wojtal, denn der Preisdruck sei oft groß. Reisende könnten aber trotzdem versuchen, mit dem Anbieter eine Lösung zu finden – etwa eine Verschiebung.

Bei Pauschalreisen sei zu prüfen, ob es sich bei der Verschärfung der Einreisebestimmungen für Ungeimpfte um einen unvorhersehbaren, außergewöhnlichen Umstand handele, sagt Wojtal. Und das ist eine Frage der Rechtsauslegung. So gesehen hätten Reisende gute Chancen, ihren gebuchten Urlaub stornieren oder verschieben zu können.

Die Probleme, mit denen sich die Gerichte nach Ansicht von Wojtal befassen müssen, sind:

►Hat der Verbraucher bei der Buchung damit gerechnet, dass die Einreisebestimmungen so streng werden? Immerhin hatte das Jahr drei der Pandemie bereits begonnen.

►Und: Kann Verbrauchern zugemutet werden, den erforderlichen Impfstatus nachzuweisen, wenn sie können? Wojtal hofft, dass das höchste Gericht in etwa einem Jahr zu diesem Thema entscheiden wird.

Der Abschluss eines flexiblen Reisevertrages kann sich lohnen

Wenn Sie selbst nicht reisen können, weil Sie nicht geimpft sind, können Sie beim Veranstalter nachfragen, ob eine Übertragung der Reise auf eine andere Person möglich ist.

Um gar nicht erst in eine schwierige Situation zu geraten, empfiehlt Wojtal Verbrauchern, dafür zu sorgen, dass sie die Buchung noch kurz vor Beginn ändern oder stornieren können.

Das sei zwar meist etwas teurer, aber es lohne sich, solche Verträge abzuschließen, die oft als Flex-Tarife bezeichnet werden, sagt Wojtal. Eine weitere Möglichkeit ist die kurzfristige Buchung. Das kann aber auch zu deutlichen Preissteigerungen führen, wenn Reisende hinsichtlich Reiseziel und Termin unflexibel sind.


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Der Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung könne sich für alle Reisenden lohnen, sagt Wojtal. Diese übernimmt die Kosten jedoch nur, wenn ein sicherer Kündigungsgrund – zum Beispiel Krankheit oder Todesfall – vorliegt.

Reisende müssen sich laut Wojtal derzeit darüber im Klaren sein, dass Reisen während der Pandemie mit viel mehr Risiken und Unsicherheiten verbunden sind, als sie es in der Vergangenheit gewohnt waren.