Viel erreicht, aber nicht am Ziel: Frauen in der Politik tauschen sich über den Film „Die Ungebeugten“ aus – Pforzheim

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Pforzheim. „Politik ist eine viel zu ernste Angelegenheit, um sie allein den Männern zu überlassen“, sagte Käte Strobel, SPD-Politikerin und eine der ersten weiblichen Bundestagsabgeordneten, 1959. Wie viel Mut, Kraft und Durchhaltevermögen verlangte sie den Frauen von ihr ab Generation zur Förderung der Gleichstellung wird daran erinnert, als am Freitagabend im städtischen Kino der Dokumentarfilm „Die Unbebeugsamen“ gezeigt wurde.

Kämpfen ist die richtige Handlung

Der Regisseur Torsten Körner porträtiert die Politiker der Bonner Republik mit Originalaufnahmen und aktuellen Interviews, in denen die Protagonisten auf ihre Schwierigkeiten und Erfolge zurückblicken. Ursula Männle von der CDU spricht über ihre Deutschlehrerin, die Politik für unweiblich erklärte. Ingrid Matthäus-Maier schildert ihr Entsetzen über die hässliche Stimmung und die herablassenden, beleidigenden Kommentare nach der Bundestagsrede von Waltraud Schoppe zum Schwangerschaftsabbruch. „Kämpfen ist nicht das richtige Wort, sondern die richtige Tat“, resümiert Rita Süssmuth, die frühere Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit im Kabinett Kohl.

Nach der Filmvorführung nutzen die Gleichstellungsbeauftragten Susanne Brückner und Kinga Golomb aus Pforzheim und dem Enzkreis die Erfahrungsberichte als Ausgangspunkt, um einen direkten Austausch zwischen Zuschauern und Kommunalpolitikern herzustellen. Die ehemalige Grünen-Abgeordnete Renate Thon erinnert sich, wie eine Professorin während ihres Mathematikstudiums in den 1970er-Jahren das gekonnte Auftreten einer Kommilitonin mit der Aussage „Ausnahmen bestätigen die Regel“ abtat.

Männlichkeit als Kompetenz

Zwei Jahrzehnte später machte die Grüne Stadträtin Stefanie Barmeyer deutlich bessere Erfahrungen an der Uni. Unterstützung bekommt sie auch von ihrem Mann, der ihr immer wieder versichert: „Natürlich kannst du das!“ Die Geschichte von SPD-Stadträtin Annkathrin Wulff macht deutlich, dass noch viel zu tun ist. Als sie versuchte, in den Wirtschafts- und Digitalausschuss einzutreten, sagte eine Parteikollegin, dass ihr das nicht gelänge, mit dem Kommentar „Ich dachte, wir würden die Ausschüsse nach Zuständigkeiten verteilen“.

Die Jugendstadträtin Hannah Wolff spricht aus dem Publikum und bittet um Unterstützung. Dem Wunsch nach mehr politischer Präsenz und direktem Kontakt zu den Anwesenden kamen die Vertreterinnen und Vertreter aller Fraktionen nach, indem sie einluden, eine ihrer Parteien zu besuchen und Angebote wie das Mentoring-Programm „Politik braucht Frauen!“ wahrzunehmen. Auch die FDP-Stadträtin Andrea Pachaly Szalay betont, wie wichtig es sei, Schulen über politische Karrieren aufzuklären. Das Statement von CDU-Stadträtin Petra Wißmann verdeutlicht den Wert ermutigender Veranstaltungen. Du denkst viel zu oft: „Das kann man so nicht sagen“. Die Frauen im Film zeigten ihr jedoch, dass sie sich öfter zu Wort melden sollte.