Wirtschaft soll sozialer werden: Kirchen betreiben Wirtschaft für das Gemeinwohl – Pforzheim

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Pforzheim. Der ökologische Fußabdruck zeigt: Wenn alle Menschen weltweit so leben wollten, wie sie es derzeit in Deutschland tun, bräuchte es dafür drei Erden. Aber es gibt nur einen. Und daran wird sich nichts ändern. „Wenn wir so weitermachen, verschwenden wir Ressourcen und Potenziale künftiger Generationen“, warnt Joachim Langer und ergänzt: „Wir in Deutschland leben auf Kosten anderer.“

Der Geograph aus der Werkstattwirtschaft zeigt aber auch einen möglichen Ausweg auf: die Gemeinwohl-Ökonomie. Ein Ansatz, der auch für kirchliche Akteure interessant ist. Rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich bei einer von Evangelischen, Katholischen und Evangelisch-methodistischen Kirchen organisierten Videokonferenz darüber informiert – und festgestellt, dass die Transformation ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist. „Der Kern der Krise ist unsere Art, Geschäfte zu machen“, prangert Langer den verschwenderischen Umgang an. Der Ressourcenverbrauch wächst stetig und Unternehmen, die viel und günstig produzieren, haben einen Wettbewerbsvorteil.

Ebene, die die Erde bewältigen kann

Doch so kann es aus seiner Sicht nicht weitergehen: Der Dominanz von Profit- und Wachstumsdenken stellt er Nachhaltigkeit entgegen, die vor dem Hintergrund begrenzter Ressourcen ein Gleichgewicht finden will: ein Niveau, das die Erde verkraften kann. Bei der Gemeinwohl-Ökonomie geht es darum, ein gutes Leben für alle, für Mensch und Umwelt zu schaffen – wohl wissend, dass intakte Ökosysteme ein erfülltes Leben ermöglichen. Werte wie Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit, Mitbestimmung und Transparenz sollen als Maßstab dienen. Werte, die laut Langer gut mit christlichen Grundüberzeugungen korrespondieren. Sie sollten Kontaktgruppen wie Mitarbeitern, Lieferanten oder Kunden zugeordnet werden. Die Gemeinwohl-Ökonomie-Matrix dient als Ansatz für eine ethische Wirtschaftsordnung. Die Gemeinwohlbilanz soll Transparenz für Verbraucher schaffen. Langer betont aber auch, dass eine ethische Wirtschaftsordnung von oben nicht allein helfe. „Es muss geübt werden und es geht nicht über Nacht.“ Gute Beispiele für Initiativen gebe es bereits viele, sagt Langer und erklärt: „Unser Wirtschaftsmotor läuft zu schnell, er überhitzt.“ Das ist nicht gut für die Menschen. Stichwort Burnout.

Nur privat reicht nicht

Die Teilnehmer der Videokonferenz tauschen sich in Kleingruppen aus. Alle sind sich einig, dass sie dem Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie etwas abgewinnen können. Auch darüber, dass es wichtig ist, im Privaten etwas zu verändern. Doch bei der praktischen Umsetzung überwiegt oft Hilflosigkeit. Wie können Sie sicher sein, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter Tausende von Kilometern entfernt gut behandeln? Langer sagt auch, dass es nicht reiche, wenn der Verbraucher am Supermarktregal entscheide. Eine Änderung des Systems ist erforderlich.